Ernest Shackleton: Südpol

Ernest Shackleton (1874-1922) war ein britischer Polarforscher. Er war 1909 im Rennen, den Südpol als erster zu erreichen, seine Expedition ist jedoch gescheitert (155 km vom Ziel entfernt!), er musste zurückkehren. Zu seiner Enttäuschung hat Amundsen dann zwei Jahre später den Südpol als erster erobert.

Da Shackleton aber nicht der Typ dafür war, lange herumzusitzen und seine Ziele aufzugeben, stellte er sich eine neue Herausforderung: Er wollte als erster den Antarktis von Küste zu Küste überqueren.

Es gab zu der Zeit immer wieder Expeditionen, die zu einer teilweisen Entdeckung dieses eisigen Kontinents führten, aber das hat bisher keiner geschafft. Von den 2880 Kilometern, die ihnen bevorstand, verlief die Hälfte in völlig unbekanntem Gebiet.

Nun musste er Geld für dieses Vorhaben sammeln, ein geeignetes Schiff finden – und eine gute Besatzung. Und das gleich doppelt, weil er ein zweites Schiff dafür gebraucht hat, von der anderen Seite des Kontinents Depots vorzubereiten.

Es war nicht einfach, aber es sagt viel über den Entdeckungsgeist dieser Zeit aus, dass fast 5000 Bewerbungen für die Expedition eingetroffen sind.

Letztendlich hat er seine 27 Mann starke Besatzung zusammengestellt, neben den erfahreren Seeleuten waren noch Wissenschaftler und auch ein Fotograf mit an Board. Letzterem ist es zu verdanken, dass wir nicht nur Fotos, sondern auch Filmaufnahmen von dieser Expedition haben – ich kann jedem nur empfehlen, ein wenig auf Youtube zu stöbern, es ist einfach unglaublich, diese Leute auf dem Bildschirm zu sehen.

Kurz vor dem Start der Expedition brach der erste Weltkrieg aus – Shackleton bot für Kriegszwecke sofort sein Schiff an, Churchill bedankte sich jedoch nur für das Angebot, lehnte es jedoch ab. Man glaubte damals ja noch, dass der Krieg nicht lange dauern wird.

Anfang August 1914 segelte also die Endurance in Richtung Süden los, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen… ach nein, das ist eine andere Geschichte.

Zunächst lief alles bestens und Anfang Dezember waren sie schon in Antarktis-Nähe, wo dann die ersten Schwierigkeiten kamen. Sie trafen auf Drifteis, für einen Tag war die Endurance sogar im Eis gefangen. Dann ging es mit Mühe in vielen Kurskorrekturen doch weiter. Sie trafen aber auf immer mehr Eisschollen und das Festland schien unerreichbar. Einmal hätten sie zwar an Land gehen können, aber Shackleton entschied, dass es noch nicht der richtige Platz dafür ist – diese Entscheidung sollte er später noch bitter bereuen.

Am 18. Januar steckte die Endurance dann im Eis fest und trotz großer Bemühungen ging es nicht mehr weiter.

Es folgten lange Monate gefangen im Eis, und dass die Leute nicht verzweifelten, ist Shackletons Optimismus zu verdanken.

Es ist eine unglaubliche und doch wahre Geschichte. Shackletons Buch ist im Grunde ein sehr detaillierter Bericht dieser Expedition. Daher fehlt es auch an künstlich gesteigerter Spannung und Charakterbildern, aber Spannung gibt es auch so genug. Ich hätte tatsächlich gerne mehr über die einzelnen Personen erfahren, aber das ist das einzige, was ich an diesem Buch bemängeln kann.

Wer mehr darüber wissen möchte, was mit der Besatzung passiert ist, ob sie überlebt haben und wie es mit ihnen weiterging, dem kann ich das Buch wärmstens empfehlen.

Hier möchte ich noch kurz einige Zitate von Shackleton einfügen, die sehr viel darüber sagen, was für ein Mensch er war, was für Gedanken er hatte.

Über das Überleben:

Der Mensch kann mit erstaunlich wenigen Hilfsmitteln überleben. Die Annehmlichkeiten der Zivilisation werden angesichts realer Gefahren rasch aufgegeben. Und wenn ihm auch nur die geringste Gelegenheit geboten wird, sich Nahrung und Obdach zu verschaffen, kann der Mensch überleben – und er wird sogar ungekünstelt lachen können.

Nach vielen Monaten im Eis, das ersta Mal wieder in der Zivilisation:

Dort entdeckten wir die ersten unverkennbaren Anzeichen für die Anwesenheit von Menschen, deren Werk wie so oft ein Werk der Zerstörung war. Wir entdeckten eine erst kürzlich erlegte Robbe und fanden gleich drauf weitere Kadaver mit Einschusslöchern.

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Die Endurance versinkt im November 1915, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Endurance_Final_Sinking.jpg
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Abfahrt im Rettungsboot vom Elefanteninsel, Quelle
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Die Gruppe der Überlebenden auf der Elefanteninsel, Quelle

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