Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore I

Fragt man mich nach meinem Liebingsschriftsteller, nenne ich in einem Atemzug gleich zwei Namen: Paul Auster und Haruki Murakami. Beide habe ich durch Zufall entdeckt, was gerade im Falle von Auster sehr passend ist (die Geschichte erzähle ich mal, wenn ich über ein Buch von ihm schreibe), spielt doch der Zufall in seinen Werken eine sehr große Rolle. Murakami habe ich vor vielen Jahren in einem Buchhandel für mich entdeckt, als ich ziemlich ideenlos nach einem englischsprachigen Buch gesucht habe. Mir gefiel sein Name und der Gedanke, etwas von einem Japaner zu lesen. Von einem Japaner, der sich anscheinend mit der europäischen Literatur verbunden fühlt, warum sonst würde sein Buch „Kafka on the shore“ heißen?

Das fand ich gleich interessant aber ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Dieses erste Buch von ihm zu lesen war ein fantastisches Abenteuer, und seitdem erlebe ich dieses Abenteuer mit jedem neuen Buch von ihm, was ich in die Hände kriege. Er stellt unsere reale Welt mit so einer Natürlichkeit auf den Kopf, dass es atemberaubend ist. Darin sehe ich Parallelen zu Auster, der seine alltäglichen Figuren ebenfalls mit einer Selbstverständlichkeit aus ihrem alltäglichen Leben reißen kann, sodass trotzdem noch alles glaubwürdig erscheint. Murakami geht dabei einen Schritt weiter, seine Geschichten sind völlig unglaublich, aber die Welten, die er erschafft, ziehen einen mit so einer Kraft in sich hinein, dass man sie letztendlich nicht nur für wahr hält sondern am liebsten für immer da bleiben würde – auch wenn es dort teilweise beängstigend sein kann.

Über das neue Buch möchte ich an dieser Stelle nicht viel sagen, da es nur der erste Teil eines zweiteiligen Romans ist. Es ist aber jetzt schon klar, dass Murakami mich auch diesmal nicht enttäuschen wird. Zeit ist ein wichtiger Faktor in dieser neuen Geschichte, und diese Zeit nimmt sich Murakami beim Erzählen. Diese sonderbare Welt, die er diesmal geschaffen hat entfaltet sich nur langsam vor unseren Augen, und das macht es sehr schwer, am Ende angekommen, wieder in die Normalität aufzutauchen. Ich habe Tage gebraucht, um mich davon loszulösen und ich wollte unbedingt zurück.

Allmählich verlor ich den Blick dafür, was normal und was unnormal, was real und was nicht real war.

Jetzt ist aber erstmal Warten angesagt, bis endlich der zweite Teil erscheint.

Zum Zeitvertreib empfehle ich eine Playlist der im Buch erwähnten Musikstücke zusammenzustellen, ich habe alle aufgeschrieben – siehe unter Diverses. Sonst wird bei Murakami viel Jazz gehört, diesmal war die klassische Musik an der Reihe. Auch hier kann man wieder eine Verbundenheit mit der europäischen Kultur beobachten (was übrigens auch bei Auster immer wieder zu beobachten ist).


Diverses

Der erste Satz:

Als ich heute nach einem kurzen Mittagsschlaf erwachte, sah ich den „Mann ohne Gesicht“ vor mir.

Erwähnte Musikstücke:
  • Sheryl Crow – Tuesday Night Music Club
  • Mendelssohns Oktett gespielt von Ensemble I Musici
  • Modern Jazz Quartet – Pyramid
  • Puccini – Turandot, La Traviata
  • Mozart – Don Giovanni
  • Richard Strauss – Der Rosenkavalier
  • Mozart – Sonate für Klavier und Violine
  • Thelonius Monk – Monk’s Music
  • The Beatles – Fool on the Hill
  • Schubert – D804 Streichquartett (Rosamunde)
  • Verdi – Ernani
Impressum:

Autor: Haruki Murakami
Titel: Die Ermordung des Commendatore I (Eine Idee erscheint)
Übersetzung aus dem Japanischen: Ursula Gräfe
Seitenzahl: 480
Verlag: DuMont
Erschienen: 2018
© DuMont Buchverlag

2 Kommentare zu „Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore I

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