Matt Rees: Die Damaskus Connection

Jeder hat wohl seine Lieblingsgenres, wenn es ums Lesen geht. Bei mir sind es zeitgenössische aber auch klassische Romane und Science Fiction. Und immer wieder lese ich mal gerne einen guten Krimi. Auch Sachbücher nehme ich gern in die Hand, wenn mich das Thema interessiert.

Mit Fantasy kann ich dann schon weniger anfangen. Ich habe zwar Herr der Ringe gelesen, aber das ist dann schon alles, ich habe nicht Lust auf mehr bekommen. Ganz abgeneigt gegen dieses Genre bin ich nicht, aber ich mag halt auch Star Trek und nicht Star Wars…

Das andere Genre, was man bei mir im Regal vergeblich sucht, sind Thriller. Ich habe vor vielen Jahren immer wieder gern mal einen Thriller gelesen, ich fand sie größtenteils auch ganz spannend (Ken Follett, Jeffrey Archer, Sidney Sheldon, Robert Ludlum fallen mir spontan ein), aber irgendwie hatte ich am Ende immer das Gefühl gehabt, dass ich nach dem Lesen mit leeren Händen da stehe. Ich habe zwar ein paar nette Stunden mit dem Buch verbracht, aber das war dann auch alles. Und das ist mir einfach zu wenig. Klar, nicht jedes Buch muss die Welt verändern, das tun die wenigsten, aber für mich ist es wichtig, dass ich zumindest einige Gedanken aus dem Buch mitnehme. Oder dass ich beim Lesen zum intensiven Nachdenken angeregt werde, wie bei guten Krimis.

Es hat sich bei mir deshalb eine Abneigung gegenüber Thriller entwickelt und ich habe seit Jahren keinen mehr in die Hand genommen – bis jetzt.

Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar bekommen, es war mit Hans Pleschinskis Wiesenstein gebündelt. Eine interessante und auch fragwürdige Kombination seitens des Verlags. Ich kann es mir schwer vorstellen, dass zwei so unterschiedliche Bücher den gleichen Leser begeistern können. Wiesenstein habe ich hier schon gepriesen, es ist große Literatur, ein wunderbarer Roman. Aber wie sieht es mit Die Damaskus Connection aus? Konnte mich überraschenderweise nun doch ein Thriller begeistern?

Um es kurz zu fassen: nein. Die Thriller-Autoren, die ich vorhin aufgezählt habe, sind Meister dieses Genres, Matt Rees spielt hingegen in einem anderen, kleineren Liga. So viele Klischees auf einem Haufen habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Wir haben da unseren Helden, der wirklich alles überlebt, da könnte sogar Jason Bourne neidisch werden. Dann haben wir auch noch Atomwaffen und Syrien mit im Spiel, damit die Geschichte super aktuell ist. Und wir haben noch ein paar gesichtslose Gegner und ebenfalls gesichtslose Freunde. Sprachlich bleibt das Ganze auf einer sehr einfachen, für jeden verständlichen Ebene, natürlich mit Flüchen bestückt, und manchmal wirkt es einfach nur geschmacklos:

Kinsella kniete sich neben den Toten. Sie holte einen Latexhandschuh aus ihrer Jacke, streifte ihn über und griff in Parrys Hosentasche: „Entschuldige, Schatz, ich habe keine Zeit für ein langes Vorspiel.“

Alles in allem ist das nicht meine Welt, Fans von Thriller mögen es aber eventuell – und sie können wahrscheinlich wiederum mit Wiesenstein nichts anfangen. Für diese Lesergruppe ist es eine gute Nachricht, dass dies der erste Roman um Federal Agent Dominic Verrazzano is, weitere sollen folgen.

 


Diverses

An dieser Stelle möchte ich mich beim C.H. Beck Verlag ganz herzlich für das Rezensionsexemplar bedanken.
Der erste Satz:

Underwood hängte sie im Staub und Gedränge um das Grab der Enkelin des Propheten Mohammed ab, stieß mit seinem Jeep auf den Airport-Highway und hielt im Rückspiegel nach dem Mercedes Ausschau, der sich zwischen Eselskarren und überfüllten, bedenklich zur Seite neigenden Mini-Bussen durchwand.

 

Impressum:

Autor: Matt Rees
Titel: Die Damaskus Connection
Übersetzung aus dem Englischen: Werner Löcher-Lawrence
Seitenzahl: 363
Verlag: C.H. Beck
Erschienen: 2018
© Verlag C.H.Beck oHG

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