6/478 | H.G. Wells: Der Unsichtbare

Als der Mantikore Verlag auf LovelyBooks zur Leserunde aufrief, meldete ich mich ganz begeistert, ging es doch um einen echten Science-Fiction-Klassiker vom Ende des 19. Jahrhunderts (und nebenbei auch um ein Buch aus meinem 478-Bücher-Projekt). Als Kind habe ich eine kurzlebige Fernsehserie gesehen, die die Geschichte des unsichtbar gewordenen Wissenschaftlers aufarbeitete und ich hatte gute Erinnerungen an die Story.

Das Cover des neu übersetzten Buches rief diese alten Erinnerungen wach und ich war sehr gespannt darauf, den Roman zu lesen. Dank eines Kommentars in der Leserunde habe ich das Vorwort übersprungen, und das war eine gute Entscheidung! Ich möchte auch an dieser Stelle jedem davon abraten, mit dem Vorwort anzufangen, da es praktisch alles erzählt, was in diesem Roman passiert. Ich weiß nicht, was den Verlag dazu bewegt hat, es an den Anfang zu stellen, hoffentlich ändern sie das bei einer eventuellen zweiten Auflage.
Aber nun zum Roman. Wie der Titel und auch der Klappentext es verraten, geht es um einen Wissenschaftler, der mithilfe eines von ihm entwickelten Verfahrens Dinge unsichtbar machen kann. Nachdem er aber auch sich selbst unsichtbar gemacht hat, stellt er fest, dass es gar nicht so einfach ist, unsichtbar zu leben. Am Anfang der Geschichte wissen wir Leser zwar, dass es um einen Unsichtbaren geht, die Bewohner des kleinen Dorfs, wo er sich niederlässt, wissen das jedoch nicht. Eines Tages erscheint ein völlig vermummter Mann in der Gaststätte, mietet sich ein Zimmer, experimentiert mit seinen kleinen Fläschchen und Tinkturen, und benimmt sich ziemlich ruppig. Sein unfreundliches und oft grobes Benehmen stößt auf immer mehr Ablehnung und als er dann kein Geld mehr hat und jemand auch noch ausgeraubt wird, haben die Dorfbewohner genug, er soll sofort verhaftet werden.
Wells
Die Illustrationen des Buches sind sehr gut, mehr davon wäre noch besser gewesen.
Über den Unsichtbaren wissen wir sehr wenig, nur dass er sich nicht dazu überwinden kann, auch nur ein freundliches Wort zu sagen, sehr aufbrausend ist und auch vor Handgreiflichkeit nicht zurückschreckt. Die Dorfbewohner werden als dumme Menschen dargestellt und es soll wohl komisch wirken, wie sie auf einen unsichtbaren Menschen reagieren, ich fand das aber nicht witzig, war eher nur ratlos, wohin diese Geschichte führt.
Ab ungefähr der Hälfte des Buches wird es deutlich interessanter, wir erfahren mehr über den Unsichtbaren und seine Motivation. Heute ist es schwer zu beurteilen, wie der Roman vor hundert Jahren oder auch noch vor einigen Jahrzehnten gewirkt hat, heute würde man ihn wahrscheinlich anders aufbauen.
Das Bild des Wissenschaftlers fand ich sehr interessant, und wenn man an andere Werke von H.G. Wells denkt (Die Insel des Dr. Moreau oder Die Zeitmaschine sind sehr bekannt), dann scheint es wahrscheinlich, dass es ihm in diesem Roman ganz stark darum ging, den von sich und seinem Wissen eingenommenen Wissenschaftler darzustellen.
Was ich hier noch unbedingt erwähnen muss, sind die auffallend viele Fehler im Buch. Worte fehlen oder stehen an der falschen Stelle, und so viele Tippfehler und grammatikalische Fehler habe ich schon lange nicht mehr in einem so kurzen Buch gesehen. Mein Eindruck war, dass hier eine Runde Korrekturlesen gespart wurde. Auch das könnte im Falle einer zweiten Auflage korrigiert werden.
Insgesamt bin ich froh, wieder mal einen Klassiker gelesen zu haben, den ich schon immer lesen wollte, auch wenn ich damit wohl viel zu lange gewartet habe. An dieser Stelle also vielen Dank an den Mantikore Verlag für das Rezensionsexemplar.

Diverses

Der erste Satz:

Der Fremde kam Anfang Februar an einem frostigen Tag durch beißende Winde und Schneetreiben, dem letzten Schneefall des Jahres, über das Hügelland; er ging zu Fuß vom Bahnhof Bramblehurst und trug einen kleinen Koffer mit einer dick behandschuhten Hand.

Weitere Meinungen zum Buch:

Ich habe leider keine gefunden.

Impressum:

Autor: H.G. Wells
Titel: Der Unsichtbare
Übersetzung aus dem Englischen: Jan Enseling
Seitenzahl: 257
Verlag: Mantikore Verlag
Erschienen: 2018
© Mantikore-Verlag Nicolai Bonczyk

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