Alistair MacLean: Geheimkommando Zenica

Wenn es um Abenteuerromane geht, die im Zweiten Weltkrieg spielen, ist Alistair MacLeans Name der erste, der mir einfällt. Es gab eine Zeit, wo ich seine Bücher verschlungen habe, sie waren immer spannend, es gab reichlich gefährliche Situationen, bei denen viele ihr Leben verloren, die Geschichten endeten aber immer mit einer positiven Note. Seine Helden waren zwar nicht unverwundbar, aber dem Gegner immer einen Schritt voraus. Mein Lieblingsbuch war Die Kanonen von Navarone, das mit Gregory Peck in der Hauptrolle sehr erfolgreich verfilmt wurde.

Geheimkommando Zenica ist eine Fortsetzung dieser Geschichte (und wurde übrigens auch verfilmt, mit Harrison Ford in der Hauptrolle), die Helden dieses Romans sind wieder Mallory, Miller und Andrea. Der Roman setzt direkt dort an, wo der andere geendet hat, es ist kaum Zeit vergangen – Mallory und Miller haben sich soeben von Andrea verabschiedet, schon müssen sie ihm nachlaufen, denn ein neuer und natürlich sehr dringender Auftrag erwartet sie alle drei.

Wenn man Die Kanonen von Navarone noch nicht oder vor längerer Zeit gelesen hat, ist dieser in medias res Anfang ein wenig verwirrend. Wer sind Mallory, Miller und Andrea? Klar, sie sind die Helden, aber wie lange kennen sie sich? Was sind ihre Stärken und Schwächen? Warum sind gerade sie so wichtig für diesen geheimen Auftrag, dass sie sich nicht einmal ausschlafen dürfen, bevor es wieder los geht?

Nach und nach lernt man jedoch die Charaktere kennen, die Story bleibt aber trotzdem auch weiterhin etwas wirr. Der Auftrag ist unklar, es ist von Anfang an eindeutig, dass weder uns, noch allen Teilnehmern der Expedition alle Details verraten wurden. Es gibt sehr viele Personen, die man sich nur schwer merken kann (vor allem, wenn dem Leser auch die drei Helden noch quasi neu sind). Die drei „Alten” werden von drei „Jungen” auf die geheime Mission begleitet (Reynolds, Groves und Saunders), dann ist da noch ein Colonel Vukalovic, dessen Rolle anfangs nicht ganz klar ist – hier ist es zumindest in der von mir gelesenen Kindle Version sehr störend, dass die Erzählperspektive ohne Überleitung von einem Satz zum nächsten mal bei Vukalovic, mal bei Mallory ist. Das kommt aber zum Glück nicht sehr oft vor. Dann haben wir noch Maria und Petar, d.h. teilweise folgen wir einer Gruppe von acht Personen, und dazu kommen noch weitere Figuren auf Seiten der Deutschen, Alliierten, Partisanen und Tschetniks. Ganz schön viel für einen gar nicht so langen Roman.

Hat man aber einmal diese Hürden überwunden, kann man sich auf die Geschichte konzentrieren, und die ist ganz gut. Man weiß nicht immer, wem man vertrauen kann, und nicht nur der Leser ist in dieser Hinsicht verunsichert, auch die Figuren wissen nicht immer, wer auf welcher Seite steht. Je näher wir zur Auflösung der geheimen Mission kommen, umso spannender wird der Roman. Am Ende konnte ich ihn nicht mehr aus der Hand legen, und mehr kann man von einem Kriegs-/Abenteuerroman nicht erwarten. Für alle, die Bücher dieses Genres mögen und aus irgendeinem Grund dieses Buch noch nicht gelesen haben (oder so wie ich sich nicht mehr an die Details erinnern), kann ich es gerne empfehlen, Einsteiger sollten aber lieber mit dem Klassiker, Die Kanonen von Navarone anfangen.


Diverses

Der erste Satz:

Commander Vincent Ryan, Angehöriger der Royal Navy, Captain und kommandierender Offizier des neusten Zerstörers der S-Klasse Seiner Majestät des Königs, stützte seine Ellenbogen bequem auf dem Geländer der Kommandobrücke auf, hob sein Nachtfernglas an die Augen und starrte nachdenklich über das ruhige und mondlichtübergossene Wasser der Ägäis.

 

Impressum:

Autor: Aliastair MacLean
Titel: Geheimkommando Zenica
Übersetzung aus dem Japanischen: Ursula Gräfe
Seitenzahl: 356 (Prinformat – rezensiert wurde jedoch die Kindle Version)
Verlag: HarperCollins
Erschienen: 2018
© HarperCollins

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