Andreas Brandhorst: Das Schiff

Dank Cixin Liu habe ich wieder mehr Lust auf Science-Fiction bekommen, so bin ich auch auf Andreas Brandhorst gestoßen. Er wird in fast jeder Liste, in der es um die besten Science-Fiction-Bücher unserer Zeit geht, aufgeführt, was mich natürlich neugierig gemacht hat. Fast willkürlich habe ich am Ende dann Das Schiff ausgewählt – mir gefiel der kurz und knapp ausgefallene, aber spannend klingende Klappentext und das Buch war nicht Teil einer Reihe.

Was ich an Science-Fiction Romanen mag, ist dass ich dabei immer in eine neue Welt untertauchen kann. Gute Autoren entwerfen dabei Universen, die sich glaubhaft anhören, auch wenn sie von unserer realen Welt sehr weit entfernt sind. Das sind nicht immer Universen, in denen man gerne leben würde, aber darum geht es auch nicht. Für mich zumindest geht es in erster Linie darum, eine neue Welt kennenzulernen, die es eventuell auch geben könnte. Es macht mir sehr viel Spaß, beim Lesen diese Welt Schritt für Schritt besser kennezulernen und zu verstehen. Manche Autoren machen den Fehler, ihr Fantasieuniversum sehr detailliert erklären zu wollen. Damit erreichen sie zwar, dass ich als Leser alles recht schnell verstehen werde, das gibt mir gleichzeitig aber auch das Gefühl, dass diese vom Autor erschaffene Welt so irreal ist, dass sie unbedingt eine Erklärung braucht. Wiederum andere Autoren erklären zu wenig. Ihr Universum soll sich völlig ohne Erklärung dem Leser erschließen, dabei werfen sie mit Ausdrücken um sich, die genauso erfunden sind, wie alles andere in ihrer Welt. Das kann unglaublich frustrierend sein.

Wenn ich also einen Science-Fiction-Roman lese, der ein (für mich) völlig neuartiges Universum darstellt und ich mich weder bevormundet, noch frustriert fühle, dann hat der Autor etwas richtig gemacht. Und genau so ist es mir mit Das Schiff ergangen. Es hat etwas gedauert, bis die einzelnen Teile des Puzzles ein vollständiges Bild ergeben haben, aber ich konnte mir dieses Bild eigenständig erarbeiten.

Wir befinden uns in der weit entfernten Zukunft, auf der Erde. Der Planet wird von Menschen und intelligenten Maschinen besiedelt. Letztere haben den Menschen ein ganz besonderes Geschenk gegeben, von dem heute viele träumen: ewiges Leben. Mit wenigen Ausnahmen können alle Menschen ewig lange leben und tun und lassen, was sie nur wollen. Sobald ein Mensch dreißig Jahre alt wird, wird er einer Prozedur unterzogen – danach behält er für immer sein jugendliches Aussehen und kann höchstens bei einem Unfall sterben. Diejenigen Wenigen, bei denen diese Prozedur aus irgendeinem Grund nicht funktioniert, werden alt, und sterben mit 100-120 Jahren.

Adam ist 92, als wir ihn kennenlernen. Er wird bald sterben. Trotzdem ist er ständig unterwegs, mal ist er auf einem fremden Planeten oder auf einem fremden Mond. Sein Körper kann sich auf der Erde nur mithilfe eines Mobilisators bewegen, sein Gehirn bewegt sich ganz träge – aber sobald sein Bewusstsein von den intelligenten Maschinen der Erde in eine weite Entfernung transferiert wird, denkt er wieder schnell, und dringt in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Die Maschinen schicken nämlich seit mehreren tausend Jahren immer wieder Sonden in den Weltall. Sie sind auf der Suche nach Artefakten, die vom Volk der Muriah hinterlassen wurden. Über die Muriah weiß man nicht viel, sie sind bereits vor einer Million Jahren verschwunden, bei einem alles verheerenden Weltenbrand. Ihre Technologie war aber sehr weit entwickelt, ein guter Grund für die intelligenten Maschinen, nach ihnen zu suchen. Die Sonden allein können aber nicht viel ausrichten, dafür sind sie nicht intelligent genug, sogenannte Mindtalker, wie Adam unterstützen die Bergung der Artefakten.

Bei der letzten Bergungsaktion ist jedoch etwas schiefgegangen: Plötzlich erscheint ein fremdes Raumschiff und Adam kann sich (beziehungsweise sein Bewusstsein) kaum retten. Das fremde Schiff stellt bald die größte Bedrohung nicht nur für Adam, sondern für die Erde und sogar die Galaxis dar.

Woher ist dieses Schiff gekommen? Was ist mit den Muriah passiert? Warum ist gerade ein sterbender Greis der Schlüssel in dieser Geschichte? Es stellen sich immer mehr Fragen, das Buch nimmt immer mehr an Spannung zu. Neben all dieser Spannung hat mich dabei auch immer wieder die Frage beschäftigt, was ich anfangen würde, wenn ich ewig leben könnte. Wie lebt man, wenn man die Unendlichkeit vor sich hat? Es ist ein Konzept, das sich nur schwer begreifen lässt, leben wir doch im ständigen Wissen um unsere Sterblichkeit.

Das Schiff ist eine gut geschriebene sci-fi Geschichte mit interessanten Charakteren und einem noch interessanteren Universum. Meine erste Begegnung mit Andreas Brandhorst war deifinitiv nicht die letzte, und bin auf jeden Fall sehr froh, ihn endlich für mich entdeckt zu haben.


Diverses

Der erste Satz:

Seit tausend Jahren schickten die intelligenten Maschinen der Erde lichtschnelle Sonden zu den Sternen.

Impressum:

Autor: Andreas Brandhorst
Titel: Das Schiff
Seitenzahl: 583
Verlag: Piper
Erschienen: 2018
© Piper Verlag, München 2015


 

2 Kommentare zu „Andreas Brandhorst: Das Schiff

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