Annette Großbongardt, Johannes Saltzwedel (Hg.): Die Bibel

Das Buch der Bücher, oder wie es auch im Untertitel steht: Das mächtigste Buch der Welt. Das ist die Bibel, die seit 2000 Jahren unser Denken prägt. Wie, wann und warum ist sie entstanden?

Diesen und vielen anderen Fragen geht dieses Buch nach. SPIEGEL-Autoren, Historiker, Archäologen, Theologen, Glaubenskritiker und Sprachwissenschaftler erzählen über die Entstehung des Buches, darüber, was hinzugedichtet wurde, und warum es nicht als eine Chronik aufgefasst werden kann. Die kurzen Texte befassen sich jeweils mit unterschiedlichen Facetten der Bibelgeschichte.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es um den Aufbau und die Entstehungsgeschichte der Bibel. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Alten Testament. Wir erfahren hier mehr über die Hintergründe einzelner Geschichten und Figuren, so zum Beispiel über Mose, der mit Sicherheit nicht der Verfasser der zehn Gebote ist. Und auch keine Hörner hatte, wie es wegen eines Übersetzungsfehlers lange Zeit geglaubt wurde – und zum Beispiel von Leonardo da Vinci für seine Mose-Statue übernommen wurde.

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Foto: Jörg Bittner Unna

Weitere Texte in diesem zweiten Teil befassen sich unter anderen mit den komplexen Speiseregeln im Alten Testament, mit den Schriftrollen in Qumran und der Königin von Saba.

Der dritte Teil widmet sich dem Neuen Testament. Wer schrieb die Evangelien? Warum hat Jesus so viele Gleichnisse verwendet? Wie ist Maria zu einer Hauptfigur des Christentums geworden, obwohl ihr in der Bibel nur eine kleine Rolle zukommt?

Im vierten Teil geht es um die Verbreitung der Bibel. Das Buch, das lange Zeit nur auf Latein zu lesen, und somit nur einer kleinen Schicht zugänglich war (die die damit verbunden Macht auf keinen Fall aus der Hand geben wollte), wird ins Deutsche, ins Englische und sogar in eine Indianersprache übersetzt.

Der fünfte und letzte Teil stellt Glaube und Wirklichkeit einander gegenüber. Was kann die Archäologie nachweisen, dass sich tatsächlich so zugetragen hat, wie es in der Bibel steht? Kann jemand an der Schrift glauben und trotzdem Feminist sein?

Viele Themen und Fragen, die dieses Buch leicht effekthascherisch wirken lassen könnten, trotzdem schaffen es Autoren und Herausgeber, die Balance zu halten – und über ein Thema, das sehr viel mit Glaube zu tun hat, so zu erzählen, dass sie dabei auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Die einzelnen Texte lassen sich leicht lesen, sind teilweise sogar ausgesprochen unterhaltsam, andere bringen zum Nachdenken, oder spornen dazu an, mehr über das Thema zu erfahren.

Insgesamt ein sehr gutes Leseerlebnis, eine klare Empfehlung meinerseits an alle, die mehr über das meistverkaufte und meistgelesene Buch erfahren möchten.


Diverses

An dieser Stelle möchte ich mich beim Bloggerportal ganz herzlich für das Rezensionsexemplar bedanken.
Der erste Satz:

Kaum mehr als eine Zigarettenschachtel misst das Buch: Gerade mal 12,2 Zentimeter breit und 2,5 Zentimeter dick ist die kleinste Ausgabe der Deutschen Bibelgesellschaft.

Impressum:

Autor: Annette Großbongardt, Johannes Saltzwedel (Hg.)
Titel: Die Bibel
Seitenzahl: 576
Verlag: Penguin Verlag
Erschienen: 2017
© 2015 by Deutsche Verlags-Anstalt

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