Martin Zimmermann: Die seltsamsten Orte der Antike

Dieses Buch hat mich bereits mit seinem Cover für sich gewonnen. Die farbfrohe Grafik erzählt fantastische Geschichten von unglaublichen Orten, und ich wollte diese Geschichten hören. Martin Zimmermann erzählt in seinem Buch dann tatsächlich ganz fantastische Geschichten, und bringt den Leser in eine Welt zurück, die uns heute teilweise sehr fremd wirkt, auch wenn sie unsere eigene Vergangenheit ist.

Worum geht es in diesem Buch? Der Autor, der Professor für Alte Geschichte an der LMU in München ist, erzählt von mythischen/mystischen Plätzen der Antike. Diese können Städte oder Gebäude sein, es ist aber auch möglich, dass es sie nie gegeben hat, und nur in unserer Fantasie existieren. Der Klappentext verspricht eine spannende wie unterhaltsame Expedition. Geführt werden wir dabei durch zehn Kapitel. Wir fangen – sehr passend – bei den Anfängen und Mittelpunkten der Welt an, besuchen danach Geisterstädte, Orte des Alltagslebens, des Liebens und des Todes, und am Ende sind wir – wiederum sehr passend – an den Enden der Welt.

Die einzelnen Kapitel beinhalten neben einer Einführung mehrere kurze Geschichten. Insofern der jeweilige Ort heute noch bekannt ist (und insofern es ihn tatsächlich gegeben hat), stehen am Anfang der Geschichten die genauen Koordinaten, sodass einem Besuch an dieser Orten nichts im Wege steht.

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Zimmermanns Geschichten sind von Fakten gestützt, er bezieht sich dabei immer auf den aktuellen Stand der Forschung, wirkt dabei jedoch trotzdem selten trocken oder lehrerhaft. Er findet immer den Weg zu einer lebendigen Erzählung, als würden wir bei einem Glas Wein sitzen, und er einfach nur alte (sehr alte) Anekdoten zum Besten geben würde. Einige dieser Geschichten sind bekannt, die meisten haben sicherlich von den Hängenden Gärten Babylons gehört, und auch die Liebesgeschichte von Kleopatra und Mark Anton hat man etliche Male gelesen oder auf der Leinwand gesehen. Und bei der geschichte übder die Horatier sieht man das Gemälde Davids vor den geistigen Augen. Zimmermann erzählt aber diese Geschichten nicht nur, er ist unerbittlich dabei, den Wahrheitskern aufzudecken, wenn es denn einen gibt.

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Der Schwur der Horatier (Jacques-Louis David)

Mir haben am besten die Kapitel gefallen, in denen ich mehr über das Alltagsleben in der Antike erfahren habe. Es war eine mit heutigen Augen sehr grausame Welt, in der ich wahrscheinlich nicht mal fünf Minuten überlebt hätte. Aber zu Hause auf dem Sofa eingekuschelt über sie zu lesen? Jederzeit sehr gerne. Wie haben Menschen in der Antike geliebt? Wie kamen die Wildtiere in den römischen Zirkus? Hatten Latrinen damals tatsächlich keine Seitenwände?

Auf dieser Entdeckungsreise lässt es sich aber oft nicht vermeiden, über unsere aktuelle Welt zu sprechen. Etliche dieser spannenden Orte der Antike liegen heute in Gebieten, die durch Kriege zerstört oder unzugänglich sind. Dass dies nicht nur aus Sicht der Archäologie traurig ist, braucht wohl keine Erklärung. Trotzdem erinnert das daran, dass all die Grausamkeit längst vergangener Zeiten noch immer unter uns weilt. Wir erzahlen uns ständig Geschichten, manche erzählen wir Menschen uns seit Jahrtausenden. Schade nur, dass wir anscheinend nichts daraus lernen.

Aber streng genommen gehören diese Gedanken nicht zu diesem Buch. Es will nicht belehren, nicht nachdenklich stimmen, nur einen Einblick in eine Welt gewähren, die immer mehr verschwindet. An solchen Büchern sollte man festhalten, oder sie Freunden und Familie schenken.


Diverses

An dieser Stelle möchte ich mich beim C.H. Beck Verlag ganz herzlich für das Rezensionsexemplar bedanken.
Der erste Satz:

Die Antike war eine Blütezeit von Siedlungen unterschiedlicher Art.

Impressum:

Autor: Martin Zimmermann
Titel: Die seltsamsten Orte der Antike
Seitenzahl: 336
Verlag: C.H. Beck
Erschienen: 2018
© Verlag C.H. Beck oHG

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