Berthold Riese: Die Maya

Die Maya sind eines der faszinierendsten alten Völker der Welt. Da wir bis heute nur sehr wenig über ihr Leben wissen, erscheinen sie uns geheimnisvoll. Die Ruinen ihrer Städte liegen oft an unnahbaren Stellen im Regenwald, und können erst seit Entwicklung neuster Technologien überhaupt entdeckt werden. Ihre Schrift gab auch für eine lange Zeit Rätsel auf, heute können wir zumindest die in Stelen und Gebäuden gemeißelten Aufschriften lesen und dadurch mehr über das religiöse und politische Leben der Maya erfahren. Ihre Bücher sind fast alle vernichtet worden, und über den Alltag der einfachen Maya verraten die zeremoniellen Gebäude natürlich sehr wenig. Lange Zeit galten die Maya als friedliebendes Volk, heute wissen wir, dass dieses Bild sehr weit von der Wahrheit entfernt ist.

Es fällt mir schwer, nicht ins Schwärmen zu geraten, wenn es um die Maya geht. Sie verfügten über ein großes Wissen, wenn es um Mathematik ging (ihre Zahlensymbole haben sogar eine Null beinhaltet) oder um Astronomie. Kannten aber – so weit wir das heute wissen – das Rad nicht.

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Eine Maya Stele, ausgestellt in Balboa Park, San Diego. Nur eine Kopie übrigens – das Original ist aber inzwischen durch die Einwirkung der Naturelemente so beschädigt, dass diese und andere Kopien einen immensen Wert für die Forscher haben. (Eigene Aufnahme)

Mit sehr viel Vorfreude habe ich das Buch von Berthold Riese in die Hand genommen. Als emeritierter Professor für Altamerikanistik und Ethnologie, der an mehreren Maya-Stätten archäologische und epigraphische Arbeit geleistet hat, kennt er die Maya praktisch aus erster Hand und kann dadurch aus seiner persönlichen Erfahrung schöpfend über sie erzählen.

Leider ist das Buch so gar nicht das, was ich davon erwartet habe. Es ist ein zum Großteil sehr trocken geschriebenes Büchlein, das nur an wenigen Stellen mit Leben gefüllt wird. Dafür kommt der Autor an manchen Stellen etwas arrogant daher.

Ob diese Trockenheit der Tatsache geschuldet ist, dass Riese versucht hat, die zur Verfügung stehenden wenigen Seiten mit so viel Information wie nur möglich zu füllen? Das erklärt für mich noch immer nicht, wie ein Forscher so leidenschaftslos über sein eigenes Thema sprechen kann.

Das Buch in sechs Kapiteln gegliedert. Im ersten Kapitel geht es um die Lebenswelt der Maya und ihre Entdeckung und Erforschung. Im zweiten Kapitel erfahren wir mehr über die Gesellschaft der Maya. Mit der Blütezeit des Volks befasst sich Kapitel drei. Das vierte, und vielleicht am interessantesten geschrieben Kapitel nimmt sich einige bedeutende Städte der Maya vor und erzählt mehr über die in diesen Städten herrschenden Dynastien. In den letzten beiden Kapiteln geht es dann um den Verfall der Kultur und letztendlich ihr Ende.

Es ist auf jeden Fall ein sehr informatives Buch, das ich jedoch lieber nur denen empfehlen würde, die die Maya bereits in ihr Herz geschlossen haben und nicht von diesem Buch eine erste Einführung in ihre Welt erwarten.


Diverses

An dieser Stelle möchte ich mich beim C.H. Beck Verlag ganz herzlich für das Rezensionsexemplar bedanken.
Der erste Satz:

Das indianische Amerika erlebte in seiner jahrtausendelangen Geschichte eine kulturelle Sternstunde: die Entfaltung und Blüte der klassischen Maya-Kultur auf der Halbinsel Yukatan.

Impressum:

Autor: Berthold Riese
Titel: Die Maya
Seitenzahl: 128
Verlag: C.H. Beck
Erschienen: 2018 (8., überarbeitete Auflage)
© Verlag C.H. Beck oHG

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