9/478 | Mary Wollstonecraft Shelley: Frankenstein

Nach langer Zeit habe ich nun endlich wieder ein Buch von meiner Liste der 478 Bücher gelesen, und zwar eins, das ich schon mindestens ein Dutzend mal in die Hand genommen habe, nur um es wieder ins Regal zu stellen. Ich hatte nämlich etwas Angst vor der Geschichte Frankensteins.

Es ist ein Klassiker, den scheinbar jeder kennt. Die meisten haben mindestens eine Filmadaptation gesehen und sehen die große, furchteinflößende Figur des Monsters vor sich, wenn es um diese Geschichte geht. Und dieses Monster, da sind sich alle einig, kann nicht sprechen, gibt nur unartikulierte Laute von sich, und ist von mörderischen Instinkten getrieben.So dachte ich auch, bis ich endlich das Buch gelesen habe und Mitgefühl für die Schöpfung Frankensteins empfunden habe.

Die Geschichte entstand vor 200 Jahren. Mary Shelley war damals erst achtzehn Jahre alt! War aber damals bereits seit zwei Jahren mit Percy Shelley zusammen. Zusammen mit Lord Byron und ihrer Stiefschwester verbrachten einen Sommer am Genfer See. Bei schlechtem Wetterkonnten sie nicht viel unternehmen, beschlossen deshalb, jeweils eine Schauergeschichte zu schreiben und diese den anderen vorzutragen. So war die Geschichte von Viktor Frankenstein geboren. 

Einfluss auf die Geschichte hatten die wissenschaftlichen Versuche und Entdeckungen der Zeit (Galvani und Volta sind da besonders zu nennen). Damals gab es noch keine klare Trennung zwischen Wissenschaft und Kunst, wie heute, so haben zum Beispiel auch die Humboldt Brüder mit Goethe ein Seminar zur Anatomie des Menschen besucht und selber menschliche Körper seziert. Das Thema, wie das menschliche Leben entsteht und was es mit Elektrizität zu tun hat, beschäftigte damals viele, so auch die nähere Umgebung Mary Shelleys. Es verwundert also nicht, dass sie gerade das zum Thema ihrer Schauergeschichte gemacht hat.

Das Buch wird zunächst aus der Sicht eines jungen Entdeckers erzählt, der Briefe an seine Schwester schreibt.  Robert Walton hat ein ehrgeiziges Ziel, er will den Nordpol erreichen. Mit seinem Schiff wird er aber bald vom Eis eingeschlossen, und kann nicht mehr weiter. An diesem Punkt trifft er auf einen Mann, der mit seinem Hundeschlitten unterwegs war, inzwischen aber alle Hunde verloren hat und schwer krank ist. Dieser Mann ist Viktor Frankenstein, der ihm eine sonderbare Geschichte erzählt.

Ab diesem Punkt hören wir die Geschichte Frankensteins aus seiner Sicht erzählt. Der junge Frankenstein studiert an der Universität in Ingolstadt. Er erreicht ziemlich schnell einen Punkt in seinem Studium, wo er glaubt, nichts Neues mehr lernen zu können (sehr bescheiden ist er nicht). Er will schon zu seiner Familie in die Schweiz zurückkehren, als ihm eine Idee kommt, wie er menschliches Leben erschaffen kann. Die Methode wird im Buch nicht in Detail geschildert, jedenfalls gelingt es ihm, aus totem Gewebe ein lebendiges Wesen zu schaffen. Als das Wesen jedoch aufsteht, bekommt es sein Schöpfer mit der Angst zu tun, und flieht.

Später treffen sich Schöpfer und Schöpfung wieder, und die Geschichte entwickelt sich ganz anders, als man es aus Filmen kennt. Es mag vor zweihundert Jahren eine Gruselgeschichte gewesen sein, heute ist das nicht mehr der Fall. Trotzdem ist es ein Buch, das auch heute noch Relevanz hat. Frankensteins „Monster“ wurde befürchtet, weil es hässlich aussah – auch heute entscheidet das Aussehen darüber, wie wir anderen Menschen begegnen. Und auch Moral und Mitgefühl stehen hinten an, wenn es um technologische Entwicklungen geht (oder auch nur um die Ernährung der menschlichen Rasse). Wir haben uns unsere Erde kaputtgemacht und hören nocht auf die Warnungen. Auch Mary Shelley hat versucht mit Frankenstein eine Warnung auszusprechen, die aber nicht erhört wurde.


Diverses

Der erste Satz:

Es wird Dir Freude bereiten, zu hören, daß kein Mißgeschick den Anfang der Unternehmens betroffen hat, dessen Vorbereitungen Du mit solch trüben Ahnungen verfolgtest.

Impressum:

Autor: Mary Wollstonecraft Shelley
Titel: Frankenstein oder Der moderne Prometheus
Seitenzahl: 193
Urheberrechtfreie Kindle Edition

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