Ingrid Noll: Ehrenwort

Dies war mein erstes Buch von Ingrid Noll, und wahrscheinlich auch mein letztes (es sei denn, jemand kann mich überzeugen, dass sie auch bessere geschrieben hat). Ehrenwort ist zwar ein unterhaltsamer Roman, schafft es aber nicht, mich zu fesseln und mich für die Figuren zu interessieren.

Die Familie Knobel ist eine nette kleine dysfunktionale Familie. Der Großvater und sein Sohn haben sich vor Ewigkeiten zerstritten. Der Enkelsohn (ein Student, der nicht das studiert, was er gerne studieren würde) kümmert sich um den Großvater, allerdings in erster Linie nur, weil er sein Geld braucht. Die Schwiegertochter, die einen eigenen Buchladen und nebenbei auch noch eine Affäre hat, scheint ganz herzlich zu sein, aber auch das dauert nicht sehr lange.

Als der Großvater einen Unfall hat, zieht er zu seinem Sohn und seiner Familie. Mit Ausnahme des Enkelsohns hoffen alle auf ein schnelles Ableben des Alten und es werden auch einige Versuche unternommen, ihn ins Jenseits zu befördern. Er stirbt jedoch nicht, dafür sterben andere. Noll zeigt bei den Mordversuchen ihren schwarzen Humor, etwas mehr davon hätte dem Roman nicht geschadet, denn an diesen Stellen brilliert sie. Aber irgendwie wird hier nichts richtig zu Ende geführt, Figuren, die in dem einen Moment noch morden wollen, scheinen später nicht mehr daran zu denken. Es kommt nie richtig Spannung auf, und Sympathieträger sind auch schwer zu finden.

Insgesamt fällt das Buch einfach flach aus. Es fehlt an so vielen Stellen, vertane Chancen reihen sich aneinander. Etwas mehr Humor, vor allem schwarzer Humor, besser ausgearbeitete Charaktere und einige interessante Wendungen hätten den Roman retten können.


Diverses

Der erste Satz:

„Kopf oder Schwanz?“, fragte die Großmutter immer, wenn sie den Vanillepudding aus der Form gestürzt hatte und anschließend verteilte.

Impressum:

Autor: Ingrid Noll
Titel: Ehrenwort
Seitenzahl: 336
Verlag: Diogenes
Erschienen: 2012
© Diogenes Verlag AG

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