Neil MacGregor: Leben mit den Göttern

Leben mit den Göttern gehört mit Sicherheit zu den schönsten Büchern des vergangenen Jahres. Das elegante und gleichzeitig geheimnisvolle Cover, die Schwere des Papiers und die ca. 250, zum Großteil farbigen Abbildungen prädestinieren Neil MacGregors Werk für ein Coffeetable-Book. In diesem Fall wäre es aber wirklich schade, den Inhalt außer Acht zu lassen.

Neil MacGregor war 13 Jahre lang Direktor des British Museums und seit 2015 ist er Intendant des Berliner Humboldtforums. Vor seinem Kunstgeschichtestudium hat er Deutsch und Französisch studiert, was wohl seine enge Beziehung zu Deutschland erklärt.

Er versteht es, über Kunst und Geschichte für alle verständlich zu sprechen, das bewies er bereits mit mehreren Büchern und seiner Zusammenarbeit mit der BBC. So entstanden auch zu Leben mit den Göttern Animationsvideos, die man auf der BBC Radio 4 Webseite sehen kann – und das kann ich jedem nur ans Herz legen, das zu tun.

Der Grundgedanke hinter dem Buch ist, dass seit wir Menschen in Gruppen zusammenleben, also seit etwa 40.000 Jahren, unsere Glaubensüberzeugungen eine enorme Macht auf unser Leben haben. Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Gaubensüberzeugungen und diese können Völker definieren und die Politik lenken. Neil MacGregor geht dieser Wirkung der religiösen Überzeugungen nach und was sie einzelnen Nationen und anderen Gemeinschaften bedeuten. Seine Thesen beweist er unter Einbezug diverser Gegenstände, die jeweils für eine religiöse Überzeugung stehen.

So erzählt er am Beispiel des Löwenmanns, einer 40.000 Jahre alten Holzfigur, oder einer tanzenden Shiva auf dem Gelände des CERN, wie wichtig für uns Geschichten sind, die von Gemeinschaften erzählt werden – durch sie artikulieren wir unser Weltbild und unsere eigene Stellung in der Welt. Andere Gegenstände dienen dazu, über die Macht der Bilder zu erzahlen, oder über die Wichtigkeit der öffentlichen Inszenierung des spirituellen Lebens.

Die Ausstellung, die im British Museum das Buch begleitete, zeigte genau diese Gegenstände. Somit werden Symbole unseres Glaubens, wenn auch nicht im wortwötlichen Sinne, aber doch greifbar. (Einen Einblick in die Ausstellung gibt es hier.) Aber auch ohne Ausstellung helfen die Abbildungen des Buches dabei, der Auswirkung unseres Glauben an Gott oder Göttern einen überschaubaren Rahmen zu geben und sie dadurch verständlicher zu machen. Wir spazieren mit Neil MacGregor durch sein Museum, er zeigt auf die Exponate und erzählt mithilfe einfacher Gegenstände über die Weltgeschichte.

Ein schönes und lesenswertes Buch!


Diverses

Der erste Satz:

Leben mit den Göttern beschäftigt sich mit einer der zentralen Tatsachen menschlichen Daseins: dass jede bekannte Gesellschaft über eine Reihe von Überzeugungen und Annahmen verfügt – einen Glauben, eine Ideologie, eine Religioen -, die weit über das Leben des Einzelnen hinausreichen und einen wesentlichen Teil einer gemeinsamen Identität darstellen.

Impressum:

Autor: Neil MacGregor
Titel: Leben mit den Göttern
Übersetzung aus dem Englischen: Andreas Wirthensohn und Annabel Zettel
Seitenzahl: 542
Verlag: C.H. Beck
Erschienen: 2018
© Verlag C.H. Beck oHG

2 Kommentare zu „Neil MacGregor: Leben mit den Göttern

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.