Michael Ondaatje: Kriegslicht

Kriegslicht ist bereits der siebte Roman von Michael Ondaatje, bekannt ist er aber bis heute wegen seines dritten Roman, Der englische Patient (1992). An dieser Stelle muss ich aber zugeben, dass ich zwar die Verfilmung des Buches gesehen, den Roman aber nie gelesen habe. Somit war Kriegslicht das erste Werk von Ondaatje, das ich in die Hände nahm.

London, 1945. Nathaniel ist erst vierzehn Jahre alt und seine Schwester nur zwei Jahre älter, als ihre Eltern sie verlassen. Der Vater hat einen Job in Singapur bekommen hat. Die Kinder werden in der Obhut eines Freundes, von den beiden nur „Falter“ genannt gelassen. In der Wohnung der Familie tauchen nun immer mehr ungewöhnliche Figuren auf, Freunde von Falter. Nathaniel gefällt das gar nicht und versteht nicht, warum seine Eltern jemanden ausgewählt haben, der so wenig vertrauenswürdig ist. Als er dann auch noch entdeckt, dass seine Mutter England wohl nie verlassen hat, versteht er gar nichts mehr. Zwölf Jahre später versucht er die Erinnerungen von damals zu einer Erklärung zusammenzusetzen. Und langsam kristallisiert sich das Bild einer Mutter, die während des Kriegs ein geheimes Leben geführt hat, womit sie ihre Familie auch nach dem Krieg in Gefahr brachte.

Das hört sich wie eine komplizierte und spannende Geschichte an, aber auch sehr unrealistisch und unglaubwürdig. Und genau damit hatte ich beim Lesen zu kämpfen. Schon die Idee, dass beide Eltern bereit sind, ihre Kinder zu verlassen und sie jemandem zu überlassen, den die Kinder gar nicht kennen, klingt schon weit hergeholt. Dann soll die Mutter eine Geheimagentin gewesen sein, die sich anscheinend so viele Feinde im Krieg (und zwar in Italien und Jugoslawien) gemacht hat, dass niemand in der Lage ist, ihre Familie in England in Sicherheit zu bringen…

Mein anderes Problem war, dass die Figuren alle nur das sind, Figuren. Es entsteht zu keiner Person eine Beziehung, eine Nähe. Somit auch keine Sympathie, kein Mitgefühl – und letztendlich kein Interesse. Ich fand die Erzählweise sehr konfus, die Sprache nicht rund. Wobei letzteres auch an der Übersetzung liegen kann, das Buch habe ich auf Ungarisch gelesen und jeder Satz fühlte sich als eine Übersetzung an. Im Original oder in der deutschen Übersetzung gibt es vielleicht dieses Problem nicht, zumindest kann ich dadurch die Sprache von Ondaatje an dieser Stelle nicht beurteilen.

Warum ich das Buch nicht zur Seite gelegt habe? Normalerweise hätte ich das getan, auch wenn ich nur ungern so etwas tue, aber dieses Buch habe ich für den nächsten Bookclub gelesen, also hatte ich keine große Wahl. Und ich bin nun auch sehr gespannt darauf, wie andere dieses Buch erlebt haben. Ich habe positive (wie zum Beispiel bei Leseschatz) wie negative Rezensionen gelesen, ein Roman also, der die Meinungen sehr deutlich spaltet. Das macht mich immer sehr neugierig darauf, woran diese sehr utnerschiedliche Wahrnehmung liegt, meistens lässt sich das aber nicht erklären. Keine Leseempfehlung von mir an dieser Stelle, werde aber berichten, falls das Buch Fans im Bookclub gefunden hat.


Diverses

Der erste Satz:

Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren.

Impressum:

Autor: Michael Ondaatje
Titel: A háború fényei (Kriegslicht in der deutschen Übersetzung)
Übersetzung aus dem Englischen: Júlia Bíró
Seitenzahl: 297
Verlag: XXI. Század Kiadó
Erschienen: 2018
© XXI. Század Kiadó

4 Kommentare zu „Michael Ondaatje: Kriegslicht

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