Joey Goebel: Irgendwann wird es gut

In der amerikanischen Kleinstadt Moberly scheint keiner gern zu Leben. Trotzdem scheinen es die wenigsten zu schaffen, hier wegzugehen. Joey Goebel beleuchtet wie mit einem Scheinwerfer das Leben zehn Menschen (die sonst selten, wenn überhaupt, im Rampenlicht stehen), die in Moberly wohnen, in zehn Kurzgeschichten. Einen anderen Zusammenhang, als den Wohnort gibt es zwischen den Geschichten nicht, auch wenn manche Charaktere auch in den Geschichten von anderen, zumindest am Rande, auftauchen.

Die Figuren in den Geschichten stecken nicht nur geographisch fest, auch ihr Leben scheint an einem Punkt zu sein, an dem es nicht mehr weitergeht. Das Glück der Liebe ist ihnen nicht vergönnt, oft sind auch einfache zwischenmenschliche Beziehungen eine Herausforderung für sie. Sie sind allein, sie sind einsam, auch wenn sie nicht alle allein leben. Dabei spielen Alter und Geschlecht keine Rolle, denn Träume hat jeder, aber nur die wenigsten können ihre Träume verwirklichen.

Es sind rührende, oft ausgepsrochen traurige Geschichten. Und auch wenn es sich hier um die Einwohner einer Kleinstadt in Kentucky handelt, fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, dass auch in unserer direkten Umgebung Menschen leben, die nur auf ein gutes Wort hoffen. Allerdings machen es schlechte Erfahrungen diesen Menschen schwer, sich anderen zu nähern, und irgendwann gelten sie als Sonderlinge – über die man zwar tuschelt, mit denen aber nicht geredet wird. Und man kennt sie im Grunde auch nicht, denn im Normalfall ist kein Joey Goebel da, der uns ihre Geschichte erzählen würde.

Deshalb wissen wir nicht, dass der komische Typ, der im Hotel um den Pool herumlungert oder uns vom Balkon beobachtet, eigentlich ein geschiedener Vater ist, der sich nichts mehr wünscht, als seinen Sohn öfter zu sehen, und der sehr einsam ist und sich mit jemanden unterhalten möchte. Oder dass der Kollege, der abends immer rechtzeitig zu Hause sein muss, weil er die Nachrichten sehen will, sich nur nach Liebe sehnt und da keine Frau in seiner Umgebung Interesse an ihm zeigt, sich nun in die Nachrichtensprecherin verguckt hat. Oder dass die Lehrerin, die ihren Schülern anbietet, sie jederzeit anrufen zu dürfen, wenn sie auf einer Party getrunken haben, sie holt sie dann ab, eigentlich nur alle vom Schicksal ihres Mannes bewahren möchte, der wegen Trunkenheit am Steuer hinter Gittern sitzt…

Joey Goebel zeigt in diesem Buch sehr viel Empathie, aus der man lernen kann – und das alleine reicht mir schon, um eine klare Leseempfehlung auszusprechen.


Diverses

Weitere Meinungen zum Buch:

Bookster HRO

Leseschatz

Sarah Ricchizzi

Books not dead

Der erste Satz:

Wie bei seinem heiligen Ritual üblich, bereitete Anthony Dent kurz vor sechs Uhr abends einen Bourbon mit Wasser für sich und die Frau vor, die er liebte, der er aber noch nie begegnet war.

Impressum:

Autor: Joey Goebel
Titel: Irgendwann wird es gut
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Hans M. Herzog
Seitenzahl: 305
Verlag: Diogenes
Erschienen: 2019
© Diogenes Verlag AG

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