13/478 | George Orwell: Keep the Aspidistra Flying

Von diesem Roman hat sich sein Autor abgewendet, er fand ihn nicht gut gelungen und hat verboten, dass er nachgedruckt wird. Und man muss ihm schon Recht geben, Keep the Aspidistra Flying, oder wie es ins Deutsche übersetzt wurde, „Die Wonnen der Aspidistra“, gehört nicht zu den besten Werken von Orwell.

Es ist 1936 als sein dritter Roman erschienen, und ist wohl sein autobiographischstes Werk. Hauptfigur ist der arme Poet Gordon Comstock, der in einer Buchhandlung arbeitet und hin und wieder mal ein Gedicht veröffentlicht. Er lebt in tiefer Armut – und das aus freien Stücken. Er hat bei einer Werbeagentur eine erfolgreiche Karriere gestartet, hat sich aber entschieden, der Welt des Geldes, dem „Geldgott“ seinen Rücken zu kehren. Bald muss er jedoch feststellen, dass es im London der 30er Jahre nicht so einfach ist, ohne Geld durchzukommen. Man braucht für alles Geld, und wenn man keins hat, kann man sich nicht mal eine Freundin leisten.

In der viktorianischen Zeit war die Aspidistra (oder Schusterpalme) bei der wohlhabenden Schicht populär, was dann später dazu geführt hat, dass die Pflanze für die untere Mittelschicht zum Symbol des Wohlstands geworden ist und jeder mindestens eine davon in seinem Fenster (zur Straße hinaus, damit alle sie sehen) haben wollte. Gordon hasst natürlich die Aspidistra und das, wofür sie steht. Zu seinem Leidwesen ist diese Pflanze praktisch unverwüstbar.

There will be no revolution in England while there are aspidistras in the windows.

Bildergebnis für aspidistra
Aspidistra (Schusterpalme)

Zur großen Überraschung des Leser hat Gordon eine Freundin, Rosemary. Sie ist verliebt in Gordon, und toleriert seine Eigenheiten. Auch einen guten Freund hat Gordon, den reichen Ravelston, der tief in seiner Seele ein Sozialist ist, was natürlich mit viel Geld in der Tasche viel einfacher ist, als ohne.

Gordon tut alles, was in seiner Macht steht, um seine Freunde abzuschrecken und wegzuekeln, hat aber genau so wenig Erfolg damit, wie mit dem Töten der Aspidistra, die in seinem Zimmer steht.

Insgesamt ein spannendes Thema, das auch heute aktuell ist. Kann man sich aus der Gesellschaft ausklinken und ohne Geld zurechtkommen? Versuche gibt es reichlich, sei es wenn Leute ihre Jobs hinschmeißen und nur noch durch die Welt reisen. Oder wenn sie versuchen, ihre Ansprüche zu minimalisieren und in ganz kleine Häuser ziehen. Aber ein Leben ohne Geld ist heute genauso schwer zu verwirklichen, wie zu Orwells Zeiten.

Bemängeln am Roman lässt sich einiges, auch wenn ich ihn nicht so schlecht fand, wie sein Autor. Mir hat der Stil zunächst überhaupt nicht gefallen, fand ihn aber deutlich besser (oder verstand Orwells Intentionen besser?), nachdem ich ein Hörbuch auf YouTube entdeckt habe. Leider weiß ich nicht, wer das Buch hier liest, er schafft es aber, den Humor, der tatsächlich im Text steckt, zum Vorschein zu bringen. Diese Lesart hat enorm dazu beigetragen, dass ich das Buch letztendlich genossen habe (und beim Lesen auch dann die Stimme und Betonung des Vorlesers gehört habe, wenn das Hörbuch nicht lief). All das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Figuren und auch einzelne Situationen nicht glaubhaft sind.

Orwells bekanntesten Romane, „1984“ und „Animal Farm“ kann ich ohne Vorbehalte empfehlen, und nach ein wenig Reinschnuppern auch seine Essays. Diesen Roman eher weniger – auch wenn er auf der Liste der 1001 Bücher (und meiner abgespeckten Variante) steht, die man in seinem Leben lesen sollte.


Diverses

Weitere Meinungen zum Buch:

Binge Reading & More

Der erste Satz:

The clock struck half past two.

Impressum:

Autor: George Orwell
Titel: Keep the Aspidistra Flying
Seitenzahl: 277
Verlag: Penguin Books
Erschienen: 2014
Copyright this edition: © the Estate of the late Sonia Brownell Orwell, 1987

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