Dennis E. Taylor: Ich bin viele

Rezension Ich bin viele von Dennis E. Taylor

Bob Johansson hat es ganz gut: Er hat gerade seine Software-Firma für sehr viel Geld verkauft. Und er hat auch für sein „ewiges“ Leben gesorgt, vor kurzem unterschrieb er den Vertrag für das Einfrieren seines Körpers im Falle seines Todes. In dem einen Moment feiert er noch seinen Erfolg – im nächsten wird er von einem Auto überfahren.

Körperlos

Er erwacht viele Jahre später und muss feststellen, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war. Zum einen hat er keinen Körper mehr. Nur sein Bewusstsein ist noch da, und er existiert als künstliche Intelligenz. Bald erfährt er, dass auch die Welt sich stark verändert hat. In den ehemaligen USA herrscht nun eine religiöse Ordnung, aber auch alle anderen Länder haben sich verändert, viele der alten Grenzen existieren nicht mehr, und ständig brodeln Konflikte. Ach ja, und er gehört dem Staat.

Immerhin hat sein Leben einen Sinn, er bekommt eine wichtige Aufgabe: Er soll in den Weltall fliegen und nach bewohnbaren Planeten suchen. Das ist wie gemacht für Bob, der als Star Trek Fan schon immer davon geträumt hat, unterwegs zu sein – um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Und wenn der Leser/die Leserin auch ein Fan von Star Trek ist, wird das nicht das letzte Mal sein, dass er/sie ein Zitat oder einen anderen sehr direkten Hinweis auf die Serie entdeckt.

Rezension Ich bin viele

Bob & Co.

Bob macht sich also auf den Weg und unterwegs klont er sich immer wieder – darauf bezieht sich auch der Titel des Buches – „Ich bin viele“. Es gibt immer mehr Bobs, die allerdings jeweils einen eigenen Namen wählen und deren Persönlichkeiten sich auch voneinander unterscheiden. Das ist vielleicht der interessanteste und gleichzeitig verwirrendste Aspekt des Romans, wie Bob und seine Klone untereinander klarkommen, wie sie kommunizieren und wo ihre Unterschiede liegen. Dennis E. Taylor schafft es, Bob und seinen Klonen klar abgrenzbare Stimmen zu geben.

Spannend ist auch die Reise von Bob, die Planeten, die er entdeckt, und die Begegnungen mit anderen Sonden, die ebenfalls von der Erde losgeschickt wurden und mit künstlicher Intelligenz versehen sind – und Bob gegenüber nicht unbedingt freundlich gesinnt sind…

Fazit

Der Roman, der der erste Teil der unter dem Namen „Bobiversum“ bekannten Reihe ist, besticht mit viel Fantasie und Humor. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, in diese Welt einzutauchen, und ich habe auch Lust darauf bekommen, die weiteren Bücher der Reihe zu lesen. Vom Stil her erinnert mich das Ganze an Andy Weir und seine Bücher, allerdings finde ich Weirs Humor witziger (vor allem in „Der Marsianer“ – „Artemis“ war in dieser Hinsicht dann auch nicht mehr so gut gelungen).

Interessant ist zu sehen, wie Bob mit seinem neuen, körperlosen Leben klarkommt. Der Ausblick in die Zukunft der Erde ist ebenfalls spannend, und man kann nur hoffen, dass sie nicht so aussehen wird. Bobs Entdeckungsreise, die Planeten, die er findet (und das Leben auf ihnen) machen Lust auf mehr.

Das Buch kann ich mit einigen Einschränkungen empfehlen: man muss schon Hard Science Fiction mögen, um an diesem Buch Gefallen zu finden, und eine Liebe zu Star Trek ist auch nicht verkehrt.

Über Dennis E. Taylor

Oder eigentlich Dennis Taylor. Das „E“ benutzt der kanadiche Autor, um sich von den vielen anderen Dennis Taylors zu unterscheiden, die ebenfalls Bücher schreiben. Sein erster Roman (Outland) erschien 2015 aund wurde von ihm selbst veröffentlicht. Damals arbeitete Taylor noch als Programmierer und hatte Schwierigkeiten, seine Bücher an Verlage zu verkaufen. Auch mit seinem zweiten Buch, dem hier besprochenen „Wir sind viele“ musste er lange hausieren, am Ende übernahm sein Agent die Veröffentlichung. Der Durchbruch kam, als Audible das Hörbuch veröffentlichte. Das Buch wurde zum populärsten Science Fiction Hörbuch in dem Jahr.

Und der Rest ist Geschichte: inzwischen sind zwei weitere Bücher in der Bobiversum-Reihe erschienen. Nach „Ich bin viele“ kamen „Wir sind Götter“ und „Alle diese Welten“. Ein weiterer Roman („The Singularity Trap“) wurde zum New York Times Bestseller. Seinen ersten Roman konnte Taylor inzwischen nun auch neu veröffentlichen. Heute kann er vom Schreiben leben.


Diverses

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Impressum:

Autor: Dennis E. Taylor
Titel: Ich bin viele
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Urban Hofstetter
Seitenzahl: 464
Verlag: Heyne
Erschienen: 2018
© Heyne Verlag

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