Sergej Lukianenko: Spektrum

Rezension Lukianenko Spektrum

Dieses Buch war eine zufällige Entdeckung. Ich besuche die Bücherei meistens mit einigen klaren Buchwünschen, oft sind aber gerade die gesuchten Bücher nicht da. Das ist nicht schlimm, ich verlasse mich dann in diesen Fällen auf mein Gefühl, und wähle Bücher aus, an die ich vorher nicht gedacht habe. Und ich mag dieses Gefühl, dass ich aus Tausenden von Büchern wählen kann… Dieses Mal bin ich nach langem hin und her vor den (leider sehr spärlich bestückten) Regalen stehen geblieben, wo Science-Fiction Romane gelagert werden. Ganze drei Bücher habe ich am Ende hier gefunden, die mich alle sofort ansprachen – „Spektrum“ von Sergej Lukianenko ist das erste dieser drei.

Worum geht es in diesem Buch?

Geheimnisvolle Tore werden eines Tages auf der Erde entdeckt. Diese Tore werden von einer außerirdischen Rasse, den sogenannten Schließern bewacht. Wenn man durch diese Tore geht, landet man auf einem anderen Planeten. Die vielen Tore auf vielen Planeten bilden ein riesiges Transportsystem. Jeder darf durch die Tore gehen und andere Welten besuchen, der Preis für den Eintritt ist lediglich eine Geschichte. Die Geschichte muss gut sein, die Schließer wollen unterhalten werden.

Bei der ersten Reise enthalten alle als Geschenk eine Sprache, das Touristische. Mithilfe dieser Sprache können sich alle miteinander unterhalten, seien ihre Spezies noch so unterschiedlich. Bald sind viele von der Erde irgendwo unterwegs, einige lassen sich sogar auf fremden Welten nieder.

Für unseren russischen Helden aus Moskau, dem Privatdetektiv Martin, bieten die Tore eine interessante Abwechslung in seiner Arbeit. Seine Aufträge führen ihn immer wieder in fremde Welten – mal um eine Ehekrise zu lösen oder abtrünnige Verbrecher zu finden. sein neuster Auftrag passt auf den ersten Blick in dieses Schema: Ein Vater beauftragt ihn, seine Tochter zu finden, die durch das Tor gegangen und noch nicht zurückgekehrt ist. Die scheinbare Routineaufgabe entpuppt sich sehr schnell als der Anfang zur Lösung eines viel größeren Rätsels… und dabei soll auch noch die Menschheit gerettet werden.

Sci-Fi Klischee?

Zum Glück nicht! Auch wenn auf fremde Welten führende Tore aus Stargate wohlbekannt sind, ist diese Geschichte eine ganz andere. Und auch der Privatdetektiv ähnelt keiner anderen literarischen Detektivfigur. Martin ist ein russischer Feinschmecker, der ursprünglich Literatur studiert hat.

Lukianenko wartet in diesem Roman mit vielen fantastischen Ideen auf. Für Martins Besuche auf fremden Welten schafft er es jedes Mal, eine neuartige Kultur, eine neue Spezies zu erschaffen. Auch die Geschichten, die den Schließern erzählt werden, schaffen es, auch dem Leser zu gefallen und ihn zum Nachdenken zu bringen. Die Geschichte hat so ziemlich alles, was mir persönlich an Science-Fiction gefällt. Genug Verbindungen zu unserer heutigen Zeit, damit nicht alles fremd ist, aber genug Unglaubliches, damit man sich daran die eigene Vorstellungskraft über und erfreuen kann.

Russische Science-Fiction habe ich sehr lange nicht mehr gelesen, kenne die heutigen Autoren und Werke deshalb leider überhaupt nicht, aber dieser Aspekt macht das Buch auch spannend. Lukianenko hat ganz natürlich eine andere Sichtweise auf die Welt, auf die Politik, als zum Biespiel amerikanische oder auch chinesische Science-Fiction-Autoren. Elemente, wie das regelmäßige Auftauchen und Einmischen eines Agenten des KGB oder die zahlreichen Verweise auf russische Kultur und Literatur, machen dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.

Über den Autor

Sergej Lukianenko ist 1968 in Karatau geboren und ist der erfolgreichste russische Sci-Fi- und Fantasyautor der Gegenwart. Er studiert Medizin und war lange Zeit als Psychiater tätig. Anfang der 80er Jahre fing er an, seine Geschichten zu Publizieren – heute lebt er als freischaffender Schriftsteller. Für Fantasy-Leser ist seine Wächter-Saga sehr bekannt, einige der Bücher wurden sogar verfilmt. Für seine Werke hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten – so 2008 für den hier besprochenen Roman „Spektrum“ den Kurd-Laßwitz-Preis als bester ausländischer Roman.


Diverses

Der erste Satz:

Jeder empfindet seit den Tagen Alexander Sergejewitsch Puschkins den Besuch bei seinen alten Verwandten nicht nur als eine unerlässliche Pflicht, sondern sieht darin auch ein Gebot für einen wohlerzogenen Menschen, und Martin hegte nicht die Absicht, selbiges zu ignorieren.

Impressum:

Autor: Sergej Lukianenko
Titel: Spektrum
Übersetzung aus dem Russischen: Christiane Pöhlmann
Seitenzahl: 702
Verlag: Heyne
Erschienen: 2018
© 2002 by Sergej W. Lukianenko
© 2018 der deutschen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag

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