James Bridle: New Dark Age

Rezension James Bridle New Dark Age

Ohne Technologie zu leben ist für uns heute unvorstellbar. Um zum Beispiel hier diesen Blogbeitrag zu schreiben brauche ich meinen Laptop und ich brauche Internet. Würde mein Laptop kaputtgehen, könnte ich ihn nicht reparieren. Noch weniger Ahnung habe ich davon, wie eigentlich das Internet in meine Wohnung kommt und es von dem Router ohne Kabel bis zu meinem Laptop schafft. Das muss ich gar nicht wissen, sagt James Bridle, aber ich sollte zumindest darüber im Klaren sein, was alles dazu notwendig ist, dass ich diese Technologien nutzen kann, und was die Folgen sind. Was passiert im Hintergrund? Welche Daten und wie werden sie gespeichert? Welche Auswirkungen hat das auf unser Klima? Unter welchen Umständen arbeiten Menschen, die dafür sorgen, dass wir unsere online Bestellungen erhalten? Wir sollen alles kritischer hinterfragen, meint er, und ich kann ihm dabei nur recht geben.

Denn uns fehlt eindeutig der Durchblick. Wir haben Maschinen gebaut, neue Technologien entwickelt, die unser Leben erleichtern und verbessern sollen. Aber wir geben die Kontrolle über sie ab und stürzen uns damit in ein neues finsteres Zeitalter.

Die Fähigkeit zu denken, ohne zu behaupten oder gar danach zu streben, etwas vollstandig zu verstehen, ist der Schlüssel zum Überleben in einem New Dark Age, einem neuen finsteren Zeitalter, denn wie wir sehen werden, ist Verstehen oftmals unmöglich.

Seite 15

Wir vertrauen einer nichtmenschlichen Intelligenz oft mehr, als un selbst. So auch die japanischen Touristen in Australien, die mit ihrem Auto in den Ozean gefahren sind, nur weil sie ihrem Navi gefolgt sind. Wir lassen uns durch Maschinen steuern, und wiederum steuern wir andere Menschen durch die Maschinen. Wenn wir einen Uber-Fahrer bestellen, ist dieser kein Mensch mehr, sondern der rote Punkt, der sich uns nähert. Oder wenn wir über Amazon eine Bestellung abgeben, laufen auf unseren Knopfdruck Menschen in einem von künstlicher Intelligenz eingerichteten Lager los, um unser Paket zusammenzustellen.

In seinem Buch geht Bridle dem Ursprung der heutigen Technologien nach. Wie und warum wurden sie entwickelt? Wenn wir ihre Geschichte besser kennen, haben wir ein besseres Verständnis für ihre Funktion. Er versucht aufzuklären, liest Berichte, die zwar jedem zur Verfügung stehen, aber nur von wenigen tatsächlich gelesen werden. So findet er auch diesen Satz, der mich richtig schockiert hat:

Ein Bericht von 2013 mit dem Titel ‚The Cloud begins with Coal – Big Data, Big Networks, Big Infrastructure, and Big Power‘ hat ausgerechnet, dass „das Aufladen eines einzelnen Tablets oder Smartphones eine vernachlässigbare Menge an Energie erfordert, nutzt man die Geräte allerdings, um wöchentlich eine Stunde lang Videos anzuschauen, so verbraucht man das in den rechnerfernen Netzwerken jährlich mehr Strom als zwei Kühlschränke in einem ganzen Jahr.“

Seite 78

Dieser Bericht hatte übrigens nicht zum Ziel, auf diese Missstände hinzuweisen und unsere Klima zu schützen… sondern noch mehr fossile Energieträger zu beanspruchen, um den Anforderungen gerecht zu werden. In so einer Welt leben wir.

Es ist ein düsteres und spannendes Buch über unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Aber trotzdem, oder eben deshalb sollte es gelesen werden. Angst sollten wir von der Technologie nicht haben, wir sollten uns aber informieren.


Diverses

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

Der erste Satz:

„Wenn die Technik doch nur irgendwas erfinden würde, womit wir uns in einem Notfall mit Ihnen in Verbindung setzen könnten!“, sagte mein Computer, immer und immer wieder.

Impressum:

Autor: James Bridle
Titel: New Dark Age
Übersetzung aus dem Englischen: Andreas Wirthensohn
Seitenzahl: 320
Verlag: C.H. Beck
Erschienen: 2019
© Verlag C.H. Beck oHG

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