Takis Würger: Stella

Lange Zeit lag dieses Hörbuch bei mir herum, ich habe es hinausgeschoben, es anzuhören. Damals, als es erschienen ist, ist vieles gleichzeitig passiert. Eine gut orchestrierte Werbemaschinerie wurde in Gang gesetzt (das bereits vor dem Erscheinen), dann kamen die ersten Besprechungen, darunter harsche Kritiken. Dabei wurde nicht nur das Buch kritisiert (die Herangehensweise an das Thema, und auch die Schreibqualität wurden kritisiert), sondern auch die (weiterhin geölt laufende) Werbemaschinerie und der Autor persönlich. Wiederum andere nutzten die Situation für Eigenwerbung aus, so schaltete eine bekannte Zeitung eine Facebook-Anzeige, um die Gunst der Stunde für mehr Klicks zu nutzen. All das hat mir wenig Lust auf dieses Buch gemacht. Es musste Zeit vergehen, und num war ich soweit, das Buch zu hören.

Nach so einer Flut an Rezensionen lässt sich nicht viel Neues sagen, wenn überhaupt. Der Roman arbeitet die wahre Geschichte von Stella Goldschlag auf, einer jungen jüdischen Frau, die 1943 von der Gestapo verhaftet und vor eine schwere Wahl gestellt wurde: Will sie ihre Eltern (und sich selbst) retten, so soll sie der Gestapo helfen, untergetauchte Juden zu finden. Sie trifft eine Entscheidung, die zur Deportation und zum Tod vieler Juden führt. Ihr Verrat hilft jedoch ihren Eltern nicht, beide sterben in Auschwitz. Das hält Stella jedoch nicht davon ab, der Gestapo weiterhin zu helfen.

Für seinen Roman entschied sich Takis Würger, diese Geschichte im Rahmen einer Liebesgeschichte zu erzählen. Ein junger Schweizer, Friedrich, kommt 1942 nach Berlin. Er stammt aus einer reichen Familie, und auch wenn seine Kindheit nicht immer einfach war, so ist er doch recht behütet aufgewachsen. Nun kommt er in der großen Stadt an, es herrscht Krieg, und er verliebt sich (wie könnte es auch anders sein) in die schöne nackte Frau, die er in einer Kunstschule beim Aktmalen erblickt. Auch die junge Frau ist angetan, wohl weniger von Friedrichs vernarbtem Gesicht, als von seinem Portemonnaies.

Interessant wird die Geschichte, als Friedrich die Wahrheit über seine Liebe erfährt und nun vor der Entscheidung steht, wie er damit umgehen soll. Diesem Teil hätte Würger gerne mehr Zeit widmen können, dafür verbrachte er für mein Gefühl zu viel Zeit mit der Schilderung von Friedrichs Kindheit und Farbenblindheit, die beide letztendlich keine wesentliche Rolle spielten.

Das Hörbuch wird von zwei Stimmen gelesen. Robert Stadlober leiht seine Stimme Friedrich, Valery Tscheplanowa liest die historischen Ereignisse und die Protokolle der Gerichtsverhandlung. Beide Stimmen fand ich eine gute Wahl, trotzdem hinterließ das Buch keine tiefen Spuren in mir.


Diverses

Herzlichen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Der erste Satz:

Im Jahr 1922 verurteilte ein Richter Adolf Hitler zu drei Monaten Gefängnis wegen Landfriedensbruchs, ein englischer Forscher entdeckte das Grab Tutanchamuns, James Joyce veröffentlichte den Roman Ulysses, die Kommunistische Partei Russlands wählte Josef Stalin zum Generalsekretär und ich wurde geboren.

Impressum:

Autor: Takis Würger
Titel: Stella
Verlag: Random House Audio
Erschienen: 2019
© Random House Audio

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.