Trevor Noah: Farbenblind

Trevor Noah Farbenblind

Als ich das erste Mal von Trevor Noah hörte, übernahme er gerade The Daily Show von Jon Stewart. Ich war überrascht über die Wahl, die bekannte und beliebte Sendung praktisch einem Unbekannten in die Hände zu geben. Zu dieser Zeit lebte Trevor Noah gerade erst seit vier Jahren in den USA, und sollte eine satirische TV-Sendung leiten, für die eine tiefe Kenntnis der US-amerikanischen Kultur und Politik unablässig ist. Heute, fünf Jahr später, hat sich Trevor Noah als Showman etabliert, und erwies sich ohne Zweifel als würdiger Nachfolger Stewarts. Nachdem ich nun sein autobiiographisches Buch „Farbnblind“ (im Original „Born a Crime“ betitelt) gelesen habe, ist mir auch klar geworden, dass mit ihm jemand gewählt wurde, den keine Hürde aufhalten wird.

Trevor Noah ist 1984 in Südafrika geboren worden. Damit erlebte er die letzten Jahre der Apartheid und auch die chaotischen Zeiten danach. Das alleine würde den Charakter stärken, er ist aber als Sohn einer Schwarzen (einer Xhosa) und eines Schweizer geboren. Zu der Zeit war das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen verboten und strafbar. Trevors Mutter wollte sich aber dem Willkür irgendwelcher Gesetze nicht beugen udn wollte ein Kind, das es mal anders haben würde, als sie es hatte. Diese Entscheidung bescherte beiden ein schweres Leben. Mit seiner weder eindeutig schwarzen, noch eindeutig weißen Haut fiel Trevor überall negativ auf. Für die Schwarzen war er ein Weißer, der nichts bei ihnen zu suchen hatte. Und für die Weißen war er ein Farbiger, also zwar twas mehr Wert, als seine eigene Mutter, aber gleichberechtig? Nein.

So eine Kindheit können wir uns nicht vorstellen. Seine eigene Mutter durfte nicht mit ihm auf die Straße gehen, denn hätte man sie zusammen gesehen, hätte man sie wegen Kindesentführung sofort verhaftet. Damit sie ihrer Arbeit in der Stadt nachgehen konnte, wurde Trevor zu der Großmutter geschickt, nach Soweto. Hier stach Trevor erst recht mit seiner Hautfarbe hervor, sodass ihm nie erlaubt wurde, außerhalb des Hofes zu spielen. Als er sich mal davonstahl, waren alle in Panik, dass er ganz sicher ermordet aufgefunden wird.

Inmitten von Rassismuss, Gewalt und Armut bildete die tief religiöse Mutter mit ihrem unzerstörbaren Glauben daran, dass man alles schaffen kann, was man sich in den Kopf nimmt, einen Fels in der Brandung. Sie war es, die nie aufgab, die dafür gesorgt hat, dass Trevor die besten Schulen besuchen konnte.

In meistens eher traurigen oder dramatischen, manchmal aber auch lustigen Geschichten, die nur lose zusammenhängen, erzählt Noah über die letzten Tage der Apartheid und die Zeit danach. Es sind sehr persönliche Geschichten, die aber durch ihn einen Einblick in eine Welt geben, die die meisten von uns nicht kennen. Wenn man Trevor Noah aus dem Fernsehen kennt, erwartet man ein Buch, das einen standig zum Lachen bringt. Das ist hier nicht der Fall, obwohl ich mir vorstellen kann, dass diese Geschichten, würde man sie direkt von ihm hören, teilweise lustiger klingen würden (siehe Video). Denn er hat die Gabe, Trauriges mit Humor zu versehen, mit einem Lächeln auf Tragisches zurückzuschauen.

Ein Buch, das völlig anders ist, als erwartet, und so viel besser, als man es sich hätte vorstellen können. Ob man nun Trevor Noahs Humor mag oder nicht, ob man ihn denn überhaupt kennt – dieses Buch sollte man gelesen haben, um über das Leben in Südafrika mehr zu erfahren und eine unglaublich starke Mutterfigur kennenzulernen.


Diverses

Meine Bewertung:

⭐⭐⭐⭐⭐

Der erste Satz:

Das Geniale an der Apartheid war, dass sie Menschen, die die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung stellten, dazu brachte, aufeinander loszugehen.

Impressum:

Autor: Trevor Noah
Titel: Farbenblind
Übersetzung aus dem Englischen: Heike Schlatterer
Seitenzahl: 336
Verlag: Blessing
Erschienen: 2017
© Karl Blessing Verlag

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