Haruki Murakami und Kat Menschik

Haruki Murakami Kat Menschik

Ein tolle Kombination, die beiden zusammen. Murakami beherrscht das Schreiben von kurzen und unheimlichen Erzählungen wie kaum ein anderer, und Kat Menschik liefert zu diesen Erzählungen die mindestens genauso unheimlichen Illustrationen. Beim Dumont Verlag sind bereits mehrere Geschichten erschienen, ich habe nun „Birthday Girl“ und „Die unheimliche Bibliothek“ gelesen. Erstere Geschichte kannte ich bereits, die zweite war mir neu – und hat mir wahrscheinlich deshalb besser gefallen. Ich kann an dieser Stelle aber beide empfehlen. Sie sind schnell gelesen und haben etwas Mysteriöses an sich, das den Leser aus der Wirklichkeit in die verrückte Welt Murakamus katapultiert.

Birthday Girl

Zunächst ist man aber doch wahrscheinlich verdutzt, wenn man diese Bänder in der Hand hält, sind sie doch ausgesprochen dünn. Beide sind etwa 60 Seiten lang, und die ganzseitigen Illustrationen nehmen etwa die Hälfte des Umfangs ein. Das zeigt aber auch, dass die beiden Künstler als Gleichberechtigte auftreten. Und der Leser sollte sowohl Text, als auch Illustration die gleiche Aufmerksamkeit schenken.

Sie war schwarz gekleidet und machte nur im äußersten Notfall den Mund auf. Sie wirkte kalt und hart, und hätte man sie nachts auf dem Meer treiben lassen, hätte sie wahrscheinlich Schiffe gerammt und versenkt.

Birthday Girl, Seite 12

„Birthday Girl“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die an ihrem zwanzigsten Geburtstag einem geheimnisvollen Mann begegnet. Sie arbeitet als Kellnerin in einem Restaurant, und muss ausnahmsweise auch den Eigentümer in dessen Wohnung oberhalb des Restaurants bedienen. Als der alte Mann erfährt, dass die Kellnerin Geburtstag hat, will er ihr einen Wunsch erfüllen. Sie kann sich alles wünschen, was sie nur möchte…

Die unheimliche Bibliothek

Diese Begegnung ist – trotz des Geburtstagswunsches – eher unheimlich als erfreulich, „Die unheimliche Bibliothek“ kann das mit ihrer kafkaesken Welt aber noch steigern. In dieser Geschichte bringt ein Junge zwei Bücher in die Bibliothek zurück und fragt nach weiteren Büchern. Aus der alltäglichen Geschichte wird sehr schnell ein Alptraum, als sich der Junge im Keller der Bibliothek landet und Bücher auswendig lernen muss…

„Alle Bibliotheken machen das?“
„Sie müssen das Wissen, das sie verleihen, wieder ergänzen.“
„Ja, aber den Leuten den Kopf abzusägen und das Gehirn auszusaugen, finde ich etwas übertrieben.“

Die unheimliche Bibliothek, Seite 27

Von Kat Menschik habe ich bereits viel gehört, hatte aber erst jetzt zum ersten Mal Bücher mit ihren Illustrationen in der Hand gehabt. Sie schafft es, die für Murakami typische Art der Unheimlichkeit nachzuvollziehen und in ihre Illustrationen zu übersetzen.


Diverses

Herzlichen Dank an dieser Stelle an meine überhaupt nicht unheimliche Bibliothek, dass sie so tolle Bücher im Angebot hat. (Allerdings habe ich den Keller noch nie gesehen.)

Meine Bewertung:

⭐⭐⭐⭐

Der erste Satz:

An ihrem zwanzigsten Geburtstag arbeitete sie wie jeden Freitagabend als Kellnerin.

Birthday Girl

Wie immer war es sehr still in der Bibliothek.

Die unheimliche Bibliothek

Impressum:

Autor: Haruki Murakami
Titel: Birthday Girl
Übersetzung aus dem Japanischen: Ursula Gräfe
Illustration: Kat Menschik
Seitenzahl: 75
Verlag: DuMont
Erschienen: 2017
© DuMont Buchverlag

Autor: Haruki Murakami
Titel: Die unheimliche Bibliothek
Übersetzung aus dem Japanischen: Ursula Gräfe
Illustration: Kat Menschik
Seitenzahl: 63
Verlag: DuMont
Erschienen: 2013
© DuMont Buchverlag

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.