Andrea Maria Schenkel: Tannöd

Tannöd

In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 wurden alle sechs Bewohner des Einödhofs Hinterkaifeck ermordet. Alle wurden mit einer Spitzhacke erschlagen: die Eltern, deren verwitwete Tochter, die zwei Enkelkinder und die Magd der Familie. Der Mord ist bis heute nicht aufgeklärt und beschäftigt die Öffentlichkeit auch heute noch, fast hundert Jahre nach den Geschehnissen. Der Fall wurde vielfach aufbereitet, so auch von Andrea Maria Schenkel in ihrem Debütroman „Tannöd“.

Die Autorin stieß in einem Zeitungsartikel auf die Geschichte, und das gab der dreifachen Mutter den Anstoß, endlich ihren Traum zu verwirklichen und ein Buch zu schreiben. Sie recherchierte den Originalfall gründlich, stellte jedoch bald fest, dass sie sich von ihnen an einem Punk loslösen musste. „Tannöd“ spielt deshalb dreißig Jahre später, in der Nachkriegszeit der 50er Jahre – und am Ende dieser Geschichte haben wir auch einen Mörder.

Der Fall Hinterkaifeck bildet die Grundlage für den Roman von Andrea Maria Schenkel

Der Roman besteht aus kürzeren und längeren Szenen. Der Erzähler besucht das Dorf, in dessen Nähe sich der Mord ereignete und spricht mit Freunden und Bekannten der Familie. Nach und nach stellt sich das Bild aus den Zeugenberichten zusammen. Und dieses Bild ist schockierend. Der Vater soll seine Tochter seit deren frühester Jugend missbraucht haben. Die Enkelkinder sind wohl seine eigenen Kinder. Die Mutter schweigt und nimmt alles hin. Die Tochter hat sich an die Situation adaptiert. Hat aber der Mord mit diesen Familienverhältnissen zu tun oder ist er die Tat eines Einbrechers, der nur per Zufall an die Familie geraten ist?

Der Roman ist ein gelungenes Debüt. Die einzelnen Personen, die zu Wort kommen, haben alle ihre eigenen Stimmen, was eine großartige schriftstellerische Leistung ist. Die Geschichte der Magd ist dabei besonders schön gezeichnet und sticht mit ihrer Tragik hervor. Die Nachkriegszeit bildet eine interessante Kulisse, wobei die zwanziger wahrscheinlich ebenso interessant gewesen wären. Die Auflösung des Mordes ist schlüssig und zum Ende hin macht sie die Geschichte sogar spannend – man sollte hier aber keinen Thriller erwarten, in diesem Mordfall geht es um Menschen und ihre Beziehungen.

Das Buch habe ich in einem Bücherschrank entdeckt und werde as dahin zurückstellen – hoffentlich findet es bald wieder einen Leser.


Diverses

Meine Bewertung:

Bewertung: 4 von 5.

Der erste Satz:

Den ersten Sommer nach Kriegsende verbrachte ich bei entfernten Verwandten auf dem Land.

Impressum:

Autor: Andrea Maria Schenkel
Titel: Tannöd
Seitenzahl: 140
Verlag: btb
Erschienen: 2008
© Edition Nautilus Verlag Lutz Schulenburg

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