Herman Koch: Angerichtet

Herman Koch Angerichtet

Zwei Ehepaare treffen sich zum Abendessen in einem Sternerestaurant. Zwei Brüder und ihre Ehefrauen. Einer der Brüder ist ein angesehener Politiker, aller Voraussicht nach der nächste Ministerpräsident des Landes. Der andere Bruder, der Erzähler der Geschichte, war mal Lehrer, seit einigen Jahren arbeitet er jedoch nicht mehr. An diesem Abend treffen sie sich, weil sie sich über ihre Kinder unterhalten und eine Entscheidung treffen müssen.

Während ein Gang nach dem anderen serviert wird, erfahren wir immer mehr darüber, was passiert ist. Was haben die beiden Jungs getan? Was werden die Eltern tun? Es ist eine ungewöhnliche Geschichte, mit Figuren, die einem nicht ans Herz wachsen werden, mit Taten, die abscheulich sind. Trotzdem liest man immer weiter, und hofft auf eine Wendung zum Positiven. Als ob in der heutigen Welt immer die Guten gewinnen würden. Und als ob man die Grenze zwischen Gut und Böse immer so einfach ziehen könnte. Obwohl, ja, das kann man – und in diesem Fall gibt es keine Guten.

Mit der Figur des Erzählers schafft Herman Koch jemanden, mit dem man anfangs durchaus sympathisieren kann. Er lebt im Schatten seines erfolgreichen Bruders, der sich nach außen hin als perfekter Ehemann, Vater und Staatsmann präsentiert. Und er, der Geschichtslehrer scheint doch das glücklichere Leben zu führen. Aber nach und nach bröckelt dieses Bild, es ist so trügerisch wie die Selbstwahrnehmung des Erzählers.

Das Buch löst einen Sog aus, es ist schnell gelesen, aber trotzdem fehlt etwas. Auf mich wirkte das Ganze sehr konstruiert, wie ein für Unsummen verkauftes Menü in einem Sternerestaurant, viel heiße Luft mit wenig Substanz. Die Grundidee und auch die Gestalt des Erzählers fand ich gelungen, wenn es auch in diesem Fall nicht ganz passend wäre, dass sie mir gefallen haben. Der populäre Politiker, mit dem alle ein Selfie haben wollen, war aber von Anfang an so unrealistisch (oder glaube nur ich nicht an der Möglichkeit, dass Politiker beliebt sein können?), dass ich die Geschichte nie wirklich glauben konnte. Die anderen Figuren spielen ihre Rollen, sind aber nicht wirklich aus Fleisch und Blut, wobei hier die Frau des Erzählers noch die interessantere ist.

Als Fazit kann ich sagen, dass viel Gutes dabei ist, das Gesamtbild aber nicht wirklich passt – zumindest konnte mich das Buch nicht überzeugen. Dafür gibt es auch sehr viele positive Stimmen (Christine Westermann zum Beispiel verwendet Adjektive wie phänomenal, genial und brillant), das Buch war ein internationaler Bestseller, wurde in viele Sprachen übersetzt und bereits mehrfach verfilmt.


Diverses

Meine Bewertung:

Bewertung: 3 von 5.

Der erste Satz:

Wir wollten ins Restaurant gehen.

Impressum:

Autor: Herman Koch
Titel: Angerichtet
Übersetzung aus dem Niederländischen: Heike Baryga
Seitenzahl: 320
Verlag: KiWi
Erschienen: 2010
© Verlag Kiepenhauer & Witsch

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