James Lovelock: Novozän

James Lovelock Novozän

James Lovelock ist 100 Jahre alt. Er hat in seinem Leben viel erreicht – bahnbrechende Erfindungen und Theorien sind mit seinem Namen verknüpft. So haben wir es ihm zu verdanken, dass wir Daten über die massive Verbreitung und Auswirkung von FCKW, und somit über den Zustand der Ozonschicht erfahren haben. Er gehört zu den wichtigsten Ökodenkern unserer Zeit, der sich seit Jahrzehnten mit dem Zustand unseres Planeten befasst. Und er denkt auch weiterhin über die Zukunft nach. Nicht über seine eigene, sondern über die der Menschheit und der Erde. Dieses kleine Buch des großen Denkers ist ein wichtiger Ausblick auf das, was noch kommt.

Durch die Kürze des Buches können nicht alle Ideen ausführlich erklärt werden, aber Lovelock versucht, soweit es geht die Grundlagen für seine Theorien darzustellen. Und dafür muss er zunächst zurück in die Vergangenheit, zu seiner Gaia-Hypothese aus den 70er Jahren. Nach dieser Theorie kann die Erde und ihre ganze Biosphäre als ein einziger lebender Organismus betrachtet werden. Und noch ein weiterer Gedanke von ihm ist, der für alles weitere eine Bedeutung hat, dass wir Menschen die einzigen intelligenten Wesen im Universum sind, es gibt keine intelligenten Aliens. Er begründet diese Hypothesen im Rahmen dieses Buches nur ganz kurz, was auf einmal als zu viel und als zu weit hergeholt wirken kann. Es lohnt sich daher, insofern Lovelocks Werk nicht bereits bekannt ist, die Lektüre mit eigenen Nachforschungen zu ergänzen, um ein klareres Bild für alles Weitere zu erhalten.

Ein weiterer Gedanke, mit dem ich mich anfreunden musste, ist auch nicht neu: Lovelock hält die Kernspaltung für die beste Lösung (und auch für eine sehr sichere), um unsere Städte mit Energie zu versorgen. Auf fossile Brennstoffe sollten wir schnellstens verzichten, sagt er. Erneuerbare Energien hält er zwar auch für gut, aber da die keine ausreichende Versorgung gewährleisten können, sieht er die langfristige Lösung nicht in ihnen.

All diese und einige weitere Gedanken führen letztendlich zur Hypothese, die diesem Buch auch den Titel gegeben hat: zum Zeitalter der Novozän. Die Rettung der Menschheit und die Rettung der Erde sieht er in der weiteren Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. In diesem neuen Zeitalter werden Menschen und Cyborgs (= intelligente Maschinen ohne biologische Komponente) den Planeten zusammen besiedeln, allerdings werden die Menschen das Leben nicht mehr dominieren. Dafür werden die Cyborgs deutlich wirksamer als wir Menschen sein, wenn es um die Rettung (d.h. letztendlich die Abkühlung) unseres Planeten geht.

Das ist eine sehr faszinierende und für mich auch sehr neue Idee. Wir sehen uns immer als die vorherrschende Rasse auf dem Planeten. Dass Maschinen mal eine noch größere Rolle spielen werden als heute, ist an sich nichts Neues, aber die Rollenverteilung, die Lovelock prophezeit, ist eine, die zumindest mir bis jetzt nicht untergekommen ist. Auf diese Art über die Zukunft nachzudenken finde ich sehr anregend und inspirierend. Es bringt mich dazu, mich mit dem Autor zu streiten, und selbst nachzudenken. Ich wünschte nur, das Buch wäre etwas länger und ausführlicher gewesen, aber als Gedankenanstoß ist es eine sehr empfehlenswerte Lektüre.


Diverses

Vielen Dank an dieser Stelle an den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

⭐⭐⭐⭐

Der erste Satz:

Unser Kosmos ist 13,8 Milliarden Jahre alt.

Impressum:

Autor: James Lovelock
Titel: Novozän. Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz
Übersetzung aus dem Englischen: Annabel Zettel
Seitenzahl: 159
Verlag: C.H. Beck
Erschienen: 2020
© Verlag C.H. Beck oHG

3 Kommentare zu „James Lovelock: Novozän

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