Christopher Priest: Inversion

Christopher Priest Inversion

Helward Mann ist 650 Meilen alt. Er hat seine ganze Kindheit im Internat verbracht und hat bis jetzt nie die Stadt verlassen. Er weiß nicht, was außerhalb der Stadt ihn erwartet. Aber nun ist er Volontär in der Gilde, und das bedeutet, dass er endlich in die Geheimnisse der Stadt eingeweiht wird. Als er das erste Mal die Stadt verlässt, ist er von der Sonne geblendet. Diese sieht nicht wie eine Kugel aus, obwohl er das in der Schule so gelernt hat. Auch sonst hat das in der Schule gelernte wenig mit seiner neuen Realität zu tun. Er bekommt immer neue Aufgaben – mal soll er Schienen verlegen, mal beim Brückenbau helfen oder die Miliz der Stadt unterstützen. Das Wichtigste dabei ist, dass die Stadt immer weiterbewegt werden muss.

Die Stadt steht nämlich auf Schienen, die mit harter Arbeit verlegt werden, damit die Stadt weitergeschleppt werden kann. Dann werden die Schienen, die nun hinter der Stadt sind, wieder entfernt und vor der Stadt wieder verlegt. Und dann wird die Stadt wieder weitergeschleppt. Dabei gilt es Hindernisse zu überwinden – Flüsse, Schluchten und Berge.

Warum die Stadt nicht stehenbleiben darf, erfährt Helward bald an seinem eigenen Körper. Reden darf er über all das jedoch nicht. Nur die Mitglieder der Gilde wissen um die Lage der Stadt, um die tödliche Gefahr ihrer Welt Bescheid. Die Einwohner der Stadt sollen nicht beunruhigt werden… aber wie lange kann man so ein Geheimnis für sich behalten? Und wie lange können Menschen in Unwissenheit gehalten werden?

Christopher Priest hat sich ein außergewöhnliche Welt ausgedacht, die bei all ihrer Außergewöhnlichkeit doch viel überraschend Bekanntes enthält. Beim Lesen versucht man ständig, das Puzzle zusammenzustellen, man kommt aber selten schneller voran als der Held der Geschichte, der selbst jede Erfahrung mühsam machen muss. Und das macht dieses Buch zu einem Lesevergnügen.

Es gibt keine Weltallschlächte, keine Aliens, auch Gewalt nur am Rande. Empfehlen kann ich das Buch deshalb in erster Linie Lesern, die keine atemberaubende Abenteuergeschichte oder gar einen Thriller erwarten. Dafür kann man in diesersonderbaren Welt für ein Wochenende schön versinken und mit Helward über die Hintergründe der seltsamen Geschehnisse miträtseln. Obwohl die beiden Geschichten insgesamt sehr unterschiedlich sind, erinnerte mich der Ton des Romans an „Die Stadt, nicht lange danach“ von Pat Murphy.

Inversion“ ist bei Heyne in der Reihe „Meisterwerke der Science-Fiction“ erschienen, und machte seinen Autor bei seiner Erstveröffentlichung 1974 weltberühmt. Heute kennt man Priest jedoch besser als Autor von „The Prestige“ – 2006 mit Christian Bale und Hugh Jackman großartig verfilmt. Ich freue mich sehr, dass der Heyne Verlag dieses Buch nun aus der Vergessenheit geholt hat und es einer neuen Generation von Lesern zur Verfügung stellt.


Diverses

Herzlichen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

Bewertung: 4 von 5.

Der erste Satz:

Elizabeth Khan schloss die Tür zu ihrer Arztpraxis ab.

Impressum:

Autor: Christopher Priest
Titel: Inversion
Übersetzung aus dem Englischen: Yoma Cap und Kristof Kurz
Seitenzahl: 412
Verlag: Heyne
Erschienen: 2020
© Wilhelm Heyne Verlag

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