Robert Macfarlane: Alte Wege

Robert Macfarlane Alte Wege

Robert Macfarlane interessierte sich für viele Jahre nur für neue Wege. Hohe Berge zu bezwingen, Gipfel zu erklimmen – das hat ihn fasziniert. Ganz anders ist seine Gesinnung jedoch in diesem Buch, in dem er sich – wie der Titel es bereits verrät – alten Wegen widmet. Er folgt Spuren, kaum sichtbaren Fußabdrücken, Erzählungen von Pfaden.

Pfade sind die Gewohnheiten einer Landschaft.

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Diese Wege entstanden durch regelmäßige Nutzung. Menschen wanderten hier von einem Ort zum Nächsten. Oder sie vollführten ein Ritual, das sie auf einen bestimmten Pfad zwang. Manche Wege sind jedoch unsichtbar. Werden vom Wasser verdrängt und verwischt. Oder sind in einer Umgebung, die es nicht zulässt, dass etwas oder jemand langfristig seine Spuren hinterlässt. Aber dann lassen sich die Menschen mithilfe anderer Wegweiser helfen – seien es Steine, Pflöcke oder von Generation zu Generation weitergegebene Erzählungen. Alten Wegen zu folgen erfordert Aufmerksamkeit, Konzentration – und vor allem Verständnis für die, die immer wieder diesen Weg gegangen sind.

Dieses Buch ist nicht einfach nur ein Wanderbuch. So wie Robert Macfarlane alten Pfaden folgt, folgen wir ihm auf seinen Reisen und Wanderungen. Gleichzeitig lässt er aber auch sehr viel Geschichte, Literatur und Kulturgeschichte mit in seine Erzählung einfließen. Wir treten in die Fußstapfen längst verstorbener Ahnen, und lernen dabei über ihr Leben und Wirken. Lesen Gedichte, hören faszinierende Lebensgeschichten. Die alten Wege erzählen über die Vergangenheit und Robert Macfarlane ist nicht nur ein begnadeter Schriftsteller, er ist auch ein guter Zuhörer.

Macfarlane ist oft mit anderen Weggefährten unterwegs. Es sind Freunde, mit denen er öfter gerne loszieht, oder Bekannte, die er nur selten sieht, oder Menschen, die für einige Tage in sein Leben treten. Er trifft dabei auf teilweise sonderbare Geschöpfe, die er plastisch beschreibt, ohne dabei ein Urteil über sie zu fällen. Er ist ein offener Mensch, mit dem man selbst gerne den Weg teilen möchte.

Aber dann ist er auch oft allein unterwegs, in Begleitung seiner eigenen Gedanken und Erinnerungen – oder begleitet von Wanderern, die lange nicht mehr unter uns weilen. Das ist die Art von Wanderung, die auch mir sehr Nahe steht, und während ich seinen Erzählungen zuhörte, durchwanderte ich im Kopf Wege, die ich mal alleine beschritten habe.

Wir glauben, dass wir Landschaften am stärksten erleben, wenn wir uns in ihnen befinden und sie unmittelbar berühren und betrachten dürfen. Doch tragen wir auch in absentia Landschaften in uns, Orte, die noch lange im Gedächtnis weiterleben, nachdem wir sie faktisch wieder verlassen haben; solche Orte – die wir meist gerade dann wieder aufsuchen, wenn wir ihnen am fernsten sind – gehören zu den wichtigsten Landschaften, die wir besitzen.

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In diesem Buch kommt Robert Macfarlane wieder weit: neben Schottland und Südengland ist er in Spanien, im Westjordanland und in Tibet unterwegs. Meistens zu Fuß, aber überraschenderweise auch mal zu Wasser. Es ist eine ausergewöhnliche Leseerfahrung, sich Macfarlane anzuschließen. Eine klare Leseempfehlung.


Diverses

Meine Bewertung:

Bewertung: 4 von 5.

Der erste Satz:

… (sorry, habe ich vergessen zu notieren und das Buch musste zurück in die Bibliothek)

Impressum:

Autor: Robert Macfarlane
Titel: Alte Wege
Übersetzung aus dem Englischen: Andreas Jandl, Frank Sievers
Seitenzahl: 346
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Erschienen: 2016
© Matthes & Seitz Berlin

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