Bill Bryson: Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers

Bill Bryson_Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers

Da hat sich Bill Bryson was vorgenommen, dachte ich, als ich das erste Mal über dieses Buch gehört habe. Über den menschlichen Körper informativ und umfassend zu schreiben, und das auf insgesamt nur 600 Seiten? Ist das überhaupt möglich? Meine Zweifeln wurden von Bryson jedoch sehr schnell beseitigt.

Denn er hat es tatsächlich geschafft, unterhaltend und sehr informativ über unseren Körper zu schreiben. Er stellt dabei immer wieder neugierig seine Fragen (tatsächlich hat er sich mit vielen Ärzten und anderen fachkundigen Helfern unterhalten), und oft bekommt er eine Antwort, aber noch öfter endet seine Suche in einer Sackgasse. So zum Beispiel, als er sich auf die Suche nach einem Grund für die Existenz unserer Fingeabdrücke sucht.

Welche evolutionäre Notwendigkeit war die Ursache, dass wir Kringel an den Enden unserer Finger haben? Die Antwort lautet: Das weiß niemand. Unser Körper ist ein einziges großes Mysterium. Vieles von dem, was auf und in uns geschieht, spielt sich aus unbekannten Gründen ab – und zweifellos gibt es sehr oft überhaupt keine Gründe.

Seite 41

Dass dieses Buch so spannend ist, liegt nicht nur an Brysons Schreibstil – der aber auch nur lobende Worte verdient. Die Hauptursache für die Spannung ist jedoch sein Subjekt. Wir verfügen alle über einen Körper, der mal besser, mal weniger gut funktioniert. Und über Familienmitglieder und Freunde, die den einen oder anderen Leiden durchmachen müssen oder mussten. Er schreibt hier über etwas, was wir zwar alle kennen, womit wir uns aber selten so umfassend beschäftigen. Warum wir zum Beispiel Kopfschmerzen haben und wie wir überhaupt Schmerzen empfinden, ist zwar ein für mich persönlich sehr interessantes Thema, so wirklich nachgelesen darüber habe ich aber noch nicht. Neben den häufigsten Krankheiten befasst er sich auch mit deren Ursachen (wenn wir sie denn kennen) und Behandlung, und inwiefern sie überhaupt möglich ist.

Dr. Walter Freeman 1949 bei einer Lobotomie, die er mit einer Art Eispickel vornimmt. Image by © Bettmann/CORBIS

Bryson nimmt alle unsere wichtigen Organe durch, den Aufbau unseres Körpers, wie dieser Körper entsteht und wie er am Ende unseres Lebens zerfällt. Dabei erzählt er immer wieder unglaubliche Stories aus der Geschichte der Medizin, die heute zum großen Teil einfach nur haarsträubend sind. Wie zum Beispiel die Vorliebe mancher Ärzte zur Lobotomie, unbeachtet der Folgen, oder frühe Operationen ohne jegliche Anästhesie. Aus aktuellem Anlass fand ich natürlich alles, was mit Viren und Epidemien zu tun hatte, besonders interessant. Als er einen Arzt zitiert, mit dem er sich über das Thema unterhält, hatte das heute eine andere Bedeutung, diese Zeilen zu lesen:

„Eigentlich“, sagt er, „sind wir auf eine schlimme Epidemie heute nicht besser vorbereitet als vor hundert Jahren, als Zigmillionen an der Spanischen Grippe gestorben sind. Dass wir nicht noch einmal so etwas erlebt haben, liegt nicht daran, dass wir besonders wachsam gewesen wären. Wir hatten einfach nur Glück.“

Seite 523-524

Bei dem Ausmaß des Themas kann natürlich Bryson nicht über alles detailliert sprechen, aber er gibt einen sehr guten Überblick, der Lust auf mehr macht. Und das tut er auf eine Weise, die doch den Eindruck vermittelt, als wüssten wir nun doch zumindest über einige Sachen mehr, als bevor wir das Buch gelesen haben.

Dies war mein erstes Buch von Bill Bryson, und jetzt möchte ich natürlich wissen, was er sonst noch geschrieben hat.


Diverses

Herzlichen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

Bewertung: 5 von 5.

Der erste Satz:

Vor langer Zeit war ich Schüler an einer amerikanischen Junior High School.

Impressum:

Autor: Bill Bryson
Titel: Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers
Übersetzung aus dem Englischen: Sebastian Vogel
Seitenzahl: 672
Verlag: Goldmann
Erschienen: 2020
© Wilhelm Goldmann Verlag

2 Kommentare zu „Bill Bryson: Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers

  1. Hallo Esther, danke für deine Rezi, ich will dieses Buch auch unbedingt lesen! War sehr begeistert von Brysons Buch „Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“ (wo er ausgehend von seinem eigenen Haus und den Zimmern darin Interessantes und Spannendes aus Wissenschaft und Geschichte erzählt) und auch die Beschreibungen seiner Wanderungen durch England sind sehr lesenswert, wenn man sich für das Land interessiert.

    1. Hallo Anne, danke für deinen Besuch und die tollen Tipps! Das hört dich alles interessant an, ich lese ja auch gerne über Wanderungen, Bill Bryson könnte sich also als ein neuer Lieblingsautor entpuppen 🙂

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