16/478 | Jane Austen: Stolz und Vorurteil

Rezension Jane Austen Stolz und Vorurteil

Ein Buch, das ich irgendwann auch ohne mein 478 Bücher-Projekt gelesen hätte, und bei dem ich gar nicht sagen kann, warum ich überhaupt so lange mit dem Lesen gewartet habe. Die BBC-Adaptation mit Jennifer Ehle und Colin Firth habe ich einige Male schon gesehen, es ist immer wieder eine Freude (viel eher als die Version mit Keira Knightley). Nun war es endlich soweit, ich habe diesen Klassiker der englischen Literatur gelesen, und ich wurde dabei nicht enttäuscht.

Denn anders als im Falle von „Emma“ fand ich es diesmal überhaupt nicht störend, die Geschichte bereits gut zu kennen. Trotzdem konnte der Roman mein Interesse aufrechterhalten, es war sogar schön, bekannte Sätze wiederzukennen und mich auf bestimmte Szenen zu freuen. Ganz besonders haben mich aber Details erfreut, die in der Verfilmung keinen Platz gefunden haben.

Denn der Roman gibt deutlich mehr Einblick in die Persönlichkeiten, in ihre Beweggründe, in ihre Gefühle und Gedanken. Und am Ende bekommen wir auch noch einen kleinen Ausblick in die Zukunft einiger Figuren. Im Vergleich dazu fügt die BBC-Version nicht viel hinzu, was im Roman nicht enthalten gewesen wäre, es ist eine sehr originalgetreue Verfilmung. Mit einer Ausnahme: die vielleicht berühmteste Szene der Filmversion taucht im Roman nicht auf, denn Jane Austen wäre wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, Mr. Darcy in einen Teich springen zu lassen. Wie gut, dass Drehbuchautor Andrew Davies (der übrigens auch an den ersten beiden Bridget Jones Filmen mitgearbeitet hat) daran gedacht hat…

Eine Szene, die im Roman nicht enthalten war

Jane Austen hat nicht nur eine tolle Geschichte, aber auch unvergessliche Figuren geschaffen. Bei all meiner Liebe zu Lizzy und Darcy ist meine Lieblingsfigur trotzdem wohl der Vater der Mädchen, Mr. Bennet. Er hat sich damit abgefunden, dass seine Ehe ihm keine Freude bereitet, und nun amüsiert er sich nur noch über alle. Sein Sarkasmus ist großartig. Nun funktioniert aber Sarkasmus so, dass er eine Entfernung schafft, man ist gefühlsmäßig nicht mehr so involviert und betrachtet alles durch diese spezielle Brille. Und genau das führt zu einem großen Fehler seitens Herrn Bennet, was letztendlich den Fall der ganzen Familie herangebracht hätte – wäre Mr. Darcy nicht an der Stelle gewesen, um alles auszubügeln. Als Mr. Bennet das einsieht, ist das ein großer Moment – nur wenige Zeilen, die sprechen aber Bände über Austens Menschenkenntnis.

Ein Buch, das Lust auf noch mehr Jane Austen macht – natürlich eine klare Leseempfehlung.


Diverses

Meine Bewertung:

⭐⭐⭐⭐⭐

Der erste Satz:

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein alleinstehender Mann, der ein beträchtliches Vermögen besitzt, einer Frau bedarf.

Impressum:

Autor: Jane Austen
Titel: Stolz und Voruerteil
Übersetzung aus dem Englischen: Helga Schulz
Seitenzahl: 455
Verlag: dtv
Erschienen: 2012 (Sonderausgabe)
© dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

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