Leonie Swann: Mord in Sunset Hall

Rezension Leonie Swann Mord in Sunset Hall

Dies ist nicht der typische englische Krimi. Zwar spielt die Geschichte in England und Schauplatz ist ein Haus mit dem vornehm anmutenden Namen Sunset Hall, doch hier enden dann auch alle Parallelen. Denn Sunset Hall ist ein einfaches Haus, in dem Agnes Sharp ihre WG mit gleichgesinnten Alten eingerichtet. Ein Altersheim kommt für sie nicht in Frage, denn sie wollen ihre Eigenständigkeit bewahren, so lange es nur geht. Und wenn es nicht mehr geht… nun, auch dafür haben sie einen Plan.

Jetzt ist eine ihrer Mitbewohnerinnen tot, und die Polizei steht vor der Tür. Und es gibt noch eine Tote, in der direkten Nachbarschaft von Sunset Hall wurde eine alte Bekannte von Agnes brutal ermordet. Die Bewohner von Sunset Hall entscheiden kurzerhand, dass die Polizei, von einer falschen Prämisse ausgehend, nie den Mörder finden wird, also müssen sie die Sache übernehmen. Agnes hat zwar große Probleme mit ihrer Hüfte, und kann sich nur langsam und mühsam bewegen, Bernadette ist blind, Der Marschall fängt an, Dinge zu vergessen, Winston steckt om Obergestock fest, da der Sessellift nicht funktioniert, Edna ist… halt Edna, zwar körperlich fitt, von ihrem Geist kann man das aber nicht behaupten. Und dann ist da noch Hettie, die Schildkröte und Charlie, die neue Mitbewohnerin mit ihrem riesigen Hund namens Brexit. Ob diese Truppe wirklich die geeignetste ist, einen teuflischen Mörder zu fassen, der anscheinend alte Menschen ins Visier genommen hat?

Agnes machte eine dramatische Geste und verlor nun doch für einen Augenblick ihr Gleichgewicht. „Wir müssen mit Leuten sprechen, Fragen stellen, Dinge beobachten. Wir müssen es schlau anstellen! Und“, sie blickte in die Runde, „idealerweise sollten wir aufschreiben, war wir herausgefunden haben, bevor wir es wieder vergessen!“

Seite 96

Es gibt so Vieles, was mir an diesem Buch gefallen hat, vor allem aber besticht es mit seinem Humor. Denn aus der Situation der Hauptfiguren ergeben sich zahlreiche lustige Szenen, die aber nie ins Derbe übergehen. Auch wenn vielen Lachern die Handicaps unserer Ermittler zugrunde liegen, werden hier nie alte Menschen lächerlich gemacht. Im Gegenteil. Ihre WG, ihr Zusammenhalt, die Art, wie sie mit einanders Gebrechlichkeiten umgehen, zeigen, wie wichtig es ist, älteren Menschen ihre Würde nicht zu rauben. Im Buch kommt auch ein Altersheim ins Spiel, und das Leben, das alte Menschen dort führen, wünscht man sich ganz sicher nicht. Die Alten-WG in Sunset Hall ist trotz der sich häufenden Todesfälle in der Gegend die bessere Alternative. Ja, es ist ein lustiges Buch und die Mörderjagd bringt echte Spannung rein, es geht hier aber auch ums Altern und darum, dass man Menschnen, nur weil sie älter geworden sind, nicht abschreiben sollte.

Schon lange hat mir kein Buch mehr so viel Spaß gemacht. Es ist eine wunderbare, leichte Unterhaltung, ein toller, lustiger, spannender Krimi mit einigen ernsteren Untertönen – auch wenn man die Person des Mörders eventuell erraten kann (das muss aber nicht für jeden Leser der Fall sein, ich habe wohl einfach richtig kombiniert). Von Leonie Swann habe ich bis jetzt leider noch nichts gelesen, werde aber ab jetzt Ausschau nach ihren Büchern halten. Dieses Buch empfehle ich sehr gerne für ein verregnetes Wochenende oder entspannte Urlaubstage.


Diverses

Herzlichen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

Bewertung: 5 von 5.

Der erste Satz:

Hettie war heiß.

Impressum:

Autor: Leonie Swann
Titel: Mord in Sunset Hall
Seitenzahl: 448
Verlag: Goldmann
Erschienen: 2020
© Wilhelm Goldmann Verlag

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.