Bowie & Books | Marc Spitz: David Bowie

Marc Spitz David Bowie

Als Marc Spitz 2009 diese Biografie über David Bowie verfasst hat, war er nur einer in einer langen Reihe von Autoren, die das Leben dieses Musikikons bereits nacherzählt haben. Er war sich deshalb zunächst auch nicht sicher, ob er das Buch überhaupt schreiben soll, doch eine unerwartete Begegnung mit Bowie auf der Straße in New York (wobei ihn Bowie nicht gesehen und Spitz sich ihm auch nicht genähert hat) hat ihn davon überzeugt, dass er sich mit dem Musiker befassen soll. Heute gehört seine Biografie laut Kritiken zu den besseren, es war also eine gute Entscheidung von ihm, es zu schreiben. Als Musikjournalist (Rolling Stone, Spin, New York Times) und langjähriger Fan Bowies verfügte er auf jeden Fall sowohl über das notwendige Wissen als auch das Interesse, um es zu tun. Dass er auch seine Erfahrung mit Drogen gemacht hat, hat ihm darüberhinaus noch einen besonderen Einblick ins Leben des Stars gegeben, den die meisten nicht haben werden. Leider ist inzwischen auch Marc Spitz verstorben, kaum ein Jahr nach Bowie mit gerade mal 47 Jahren.

Mit über 500 Seiten ist diese Biografie ein echter Schinken, es gibt aber auch viel über Bowie zu erzählen. Spitz nimmt sich die Zeit und lässt den Leser auch über Bowies Eltern mehr erfahren, die es beide nicht einfach hatten, bis sie sich endlich begegnet sind und eine Familie gegründet haben. Mütterlicherseits kam eine psychische Labilität in diese Familie, mehrere Tanten Bowies litten an Schizophrenie, wie auch sein Halbbruder Terry. Das Interesse für Kunst und vor allem Musik wurde ihm aber nicht nur durch den älteren Bruder eingeflößt, auch sein Vater hatte es mal versucht, auf diesem Gebiet Fuß zu fassen, jedoch ohne Erfolg. Bowie wuchs (noch als David Jones) in einer typisch englischen Familie auf, die Eltern beide eher distanziert, doch auch unterstützend.

Auf seinen Durchbruch musste Bowie lange warten. Er war mit mehreren Bands unterwegs, veröffentlichte mehrere Alben, einen wirklichen Erfolg hatte er aber jahrelang nicht. Was heute – zumindest für mich – überraschend ist, dass es sogar nach Space Oddity noch 2-3 Jahre gedauert hat, bis Bowie wirklich bekannt wurde. Spitz führt mit vielen Details durch diese Zeit hindurch und ich habe während des Lesens immer wieder die Musik gehört, um die es gerade ging. Es war nicht immer Bowie, sondern auch all die vielen anderen, die um die Zeit gestartet sind oder bereits bekannt waren und auf David Bowies musikalische Entwicklung Einfluss hatten. Aber auch Nebenjobs von Bowie werden immer wieder erwähnt und dank YouTube kann man auch heute zum Beispiel Werbefilme finden, die dem jungen Musiker dabei geholfen haben, sich übers Wasser zu halten.

Erkennen kann man ihn nicht wirklich, aber David Bowie ist einer der Jungs in diesem Werbefilm, die vom Luv Eiscreme begeistert sind

Es hat also Jahre gedauert, bis der Durchbruch kam, diese Jahre waren aber sehr wahrscheinlich auch nötig, damit Bowie sich zu dem Ausnahmestar entwickeln konnte, der er letztendlich geworden ist. Seine ersten Alben wirken nicht wirklich individuell, er war damals noch nicht in der Lage, anderen ein-zwei Schritte voraus zu sein. Dass er das erst mal lernen und seine eigene Stimme finden musste, wird aus dem Buch klar, und Spitz weist auch die Zeitgenossen hin, die Bowie hierbei maßgeblich inspiriert haben.

1972 kommt der Durchbruch mit Ziggy

Die größte Stärke dieser Biografie ist, dass sie sich in erster Linie mit der Musik befasst. Das Privatleben Bowies kann man zwar nicht immer ganz ausklinken, Spitz befasst sich damit aber nur so viel, wie unbedingt notwendig. Wir gehen mit ihm von Album zu Album und erfahren dabei sehr viel über die Einflüsse, die bei der Entstehung dieser Alben auf Bowie eingewirkt haben. Wir lernen die Musiker und Produzenten kennen, die sehr viel zum Klang der Alben beigetragen haben. Es lohnt sich, das jeweils besprochene Album parallel zum Lesen anzuhören. Wir erfahren auch über die einzelnen Songs etwas und Spitz bringt sie auch mit der damaligen Musikszene in Zusammenhang.

Da das Buch 2009 erschienen ist, fehlen hier nicht nur die letzten Jahren aus Bowies Leben, sondern auch zwei sehr wichtige und geniale Alben aus der Besprechung. Marc Spitz versucht zwar sich daran, Vermutungen anzustellen, wie ein eventuelles neues Album von Bowie klingen würde, aber erahnen konnte er weder The Next Day noch Blackstar. Aber immerhin hat er sie noch hören können.


Diverses

Meine Bewertung:

Bewertung: 5 von 5.

Der erste Satz:

David Bowie war nicht nur der erste Popstar, der sich immer wieder neu erfand und so zur stilistischen Ikone von Madonna und Morrissey wurde.

Impressum:

Autor: Marc Spitz
Titel: David Bowie. Die Biografie
Übersetzung aus dem Englischen: Sonja Kerkhoffs
Seitenzahl: 560
Verlag: Edel Books
Erschienen: 2010
© Edel Germany GmbH

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