Stefan von der Lahr: Das Grab der Jungfrau

Stefan Von der Lahr Das Grab der Jungfrau

In San Francisco wird ein Altertumswissenschaftler auf tückische Art ermordet. Bald bricht sein direkter Mitarbeiter mit einem wertvollen Papyrus, den die beiden zusammen entdeckt und entziffert haben, nach Rom auf. Denn kurz davor wurde in sein Büro eingebrochen, jemand wollte den Papyrus stehlen – dessen besondere Wert also kein Geheimnis mehr ist. Worum geht es auf diesem frühchristlichen Schriftstück? Und wer will es unbedingt haben und geht dabei gnadenlos über Leichen?

Der amerikanische Wissenschaftler, William Oakbridge wählt Rom als das Ziel seiner Reise, weil er hier einen guten Freund hat, der in der Vatekanischen Bibliothek arbeitet. Er möchte seinen alten Papyrus mit einem anderen Papyrus in der Sammlung der Bibliothek vergleichen. Wenn er Recht hat und die beiden Schriftstücke zusammenhängen, kann er bald über eine unglaubliche Entdeckung berichten. Sein Papyrus ist nämlich ein Brief, in dem vom Tod einer sehr bekannten biblischen Persönlichkeit und deren Grabstelle berichtet wird. Oakbridge möchte mit dieser Information erst dann vor die Öffentlichkeit treten, wenn er handfeste Beweise hat. Doch die in dem Brief enthaltenen Informationen könnten, wenn sie öffentlich werden, die Katholische Kirche erschüttern, und das wollen Kräfte, von denen Oakbridge keine Vorstellung hat, verhindern. Bald ist sogar die Mafia in das Geschehen involviert, es beginnt eine erbitterte Jagd.

Falls diese Geschichte jemandem bekannt vorkommt, kann es sein, dass sie dieses Buch bereits gelesen haben. Denn es ist bereits vor fünf Jahren im Verlag Antike erschienen. Der C.H. Beck Verlag, wo der Autor (der übrigens promovierter Altertumswissenschaftler ist) als Lektor arbeitet, hat das Buch nun neu aufgelegt. Eine sehr gute Entscheidung, finde ich, denn mir zumindest hat der Roman sehr gut gefallen. Ich bin zwar kein Fan von Thrillers, aber bei all der Spannung ist dieses Buch doch eher ein Krimi, bei dem man ständig darüber nachdenkt, wer wohl die Bösen sind (und bei einigen Figuren lässt sich das gar nicht so einfach sagen). In diesem Buch geht es neben Mord und Totschlag in erster Linie um Geschichte, Religion und Glauben. Was sind wir bereit für unsere Überzeugung zu tun? Diese Frage stellt sich immer wieder in den Raum. Der Wissenschaftler möchte etwas aufdecken, dabei geht es ihm aber wahrscheinlich auch um seinen persönlichen Ruhm. Andere Wissenschaftler wollen auch gerne mal was von diesem Ruhm abhaben. Dann gibt es andere, deren Glaube durch diese Entdeckung ins Wanken geraten könnte, sie müssen mit der Situation erst einmal fertig werden und in ihrem Inneren Klarheit verschaffen. Wieder andere wollen auf keinen Fall, dass so eine Neuigkeit jemals das Licht der Welt erblickt und sind bereit, für dieses Ziel auch zu morden.

Der Roman hat viele Figuren, viele tolle und einige eher blasse Charaktere, wobei es keine einzelne Hauptfigur gibt. Deshalb ist es auch schwer zu entscheiden, wem man eigentlich die Daumen drücken sollte. Das ist vielleicht eine kleine Schwäche dieses Buches, denn mal steht eine Person im Mittelpunkt, dann wieder eine andere – dafür machen aber mehrere Charaktere richtig viel Spaß und insgesamt ist das nicht störend. Es gibt eine tolle weibliche Figur, die vielleicht am besten und spannendsten geschrieben ist, wobei diese Figur irgendwann dann auch nicht mehr wirklich glaubhaft wirkt, trotzdem habe ich sie sehr gemocht. Die Konversationen der Mafiatypen bilden einen krassen Kontrast zu den Gesprächen der Geistlichen oder der Wissenschaftler. Und die Polizei von Rom… na ja, da bedanken sich vielleicht nicht alle beim Autor für dieses Buch…

Gerade jetzt in der Urlaubszeit ist es ein Krimi, den ich sehr gerne empfehle – ab ins Gepäck damit, es wird sicherliche einige tolle, spannende Stunden bringen!


Diverses

Vielen Dank an dieser Stelle an den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

Bewertung: 4 von 5.

Der erste Satz:

KONZIL schallte es von jeder Kanzel.

Impressum:

Autor: Stefan von der Lahr
Titel: Das Grab der Jungfrau
Seitenzahl: 400
Verlag: C.H. Beck
Erschienen: 2020
© Verlag C.H. Beck oHG

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