Lucy Foley: Neuschnee

Lucy Foley Neuschnee

Eine Gruppe von alten Freunden fährt in die Schottischen Highlands, um wie jedes Jahr, Silvester zusammen zu feiern. Doch diese Feier endet mit einem Mord.

Die Idee an sich ist sicherlich nichts Neues, und eigentlich ist es erschreckend, wie oft Autoren eine Clique von Freunden mit Mord assoziieren. Man denke hier zum Beispiel an Das verborgene Spiel von M.L. Rio oder Die geheime Geschichte von Donna Tartt. Auch die Figuren in Lucy Foleys Roman haben sich noch in ihrer Studienzeit angefreundet, in Oxford. Vier Paare (eins davon mit einem Baby) und die einzige Alleinstehende, Katie, treffen sich auch noch viele Jahre nach ihrem Studium regelmäßig. Sie driften zwar immer mehr auseinander, für das Paar (Semira und Giles) mit dem Baby wird natürlich immer mehr die eigene kleine Familie wichtig, Katie konzentriert sich auf ihre Karriere, aber die Erinnerung an die Freundschaft lässt sie zumindest einmal im Jahr alle zusammenkommen.

Organisiert wird der gemeinsame Urlaub diesmal von Emma, der Freundin von Mark, die erst seit drei Jahren zu ihnen gestoßen ist. Sie ist die Neue, die nicht wirklich dazugehört, die aber darauf hofft, irgendwann doch eine von ihnen zu sein. Dann sind da noch Miranda und Julien. Beide haben eine Ausstrahlung, von denen andere sofort fasziniert sind. Gutes Aussehen, viel Geld, anscheinend haben sie alles Glück der Welt. Katie hat früher für Nick geschwärmt, bis sich herausgestellt hat, dass Nick sich für Männer interessiert. Er ist mit seinem Partner Bo mit dabei. Emma hat eine tolle Location ausgesucht, eine Lodge, umgeben von kleinen Holzhütten, mitten im Nirgendwo. Verwaltet wird die Anlage von Heather, außerdem ist noch der Wildhüter Doug anwesend, der die Gäste zur Jagd mitnimmt.

Erzählt wird die Geschichte aus dem Blickwinkel mehrerer Personen, und wir springen von der Gegenwart (vom Auffinden der Leiche) 2-3 Tage zurück zur Ankunft der Gäste und zur Neujahrsparty. Auf dem Buchumschlag wird viel Spannung versprochen, wer aber nun auf einen wirklich spannenden Thriller mit viel Nervenkitzel hofft, der sollte doch vielleicht ein anderes Buch in die Hand nehmen. Denn hier kommt Spannung erst zum Ende hin auf, und auch dann hält sie sich in Grenzen. Fast bis zum Ende wissen wir nicht, wer gestorben ist, und die Komplexität der Beziehungen im Freundeskreis und ihre diversen Geheimnisse werden wirklich langsam aufgedeckt. Obwohl die Hauptfiguren in erster Person erzählen, halten sie sich bedeckt, als würden sie sich auch vor sich selbst verstellen – was wahrscheinlich auch so ist.

Ich fand die Idee, dass wir die Identität der ermordeten Person nicht kennen, sehr interessant, insgesamt aber die Auflösung nicht wirklich spannend. Wenn man schon ein paar Krimis gelesen hat, kommt man doch relativ schnell darauf, wer tot ist und wer der Mörder ist, das Motiv wiederum war aber interessant. Lucy Foley versucht den Leser natürlich abzulenken und wirft noch einen Serienmörder und einige Wilderer in die Geschichte, die bekommen aber nicht genug Aufmerksamkeit, sodass man sie leicht als „Red Herrings“ identifiziert.

Insgesamt bietet der Roman eine angenehme Unterhaltung und liegt am Ende nicht schwer im Magen – perfekt also für den Urlaub. Halbe Punkte lassen sich hier nicht vergeben, die vier Sterne unten stehen aber eher für 3,5.


Diverses

Herzlichen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

Bewertung: 4 von 5.

Der erste Satz:

Durchs Schneegestöber sehe ich einen Mann kommen.

Impressum:

Autor: Lucy Foley
Titel: Neuschnee
Übersetzung aus dem Englischen: Ivana Marinović
Seitenzahl: 432
Verlag: Penguin
Erschienen: 2019
© Penguin Verlag

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