Bowie & Books | John O’Connell: Bowies Bücher

Bowies Bücher Kritik

Drei Jahre vor seinem Tod veröffentlichte David Bowie eine Liste mit einhundert Büchern, die sein Leben verändert haben. Nach Bowies Tod lud sein Sohn, Duncan Jones alle Fans zu einem Book Club ein, in dem diese hundert Bücher zusammen gelesen und besprochen werden sollten. Das war das erste Mal, dass ich von dieser Liste gehört habe und ich habe sie natürlich sofort gespeichert und habe mir vorgenommen, sie mal gründlicher zu studieren. Dazu bin ich dann nicht gekommen, deshalb habe ich mich sehr über das Buch von John O’Connell gefreut. Einige der von Bowie ausgewählten Bücher sind echte Klassiker und man findet sie auf vielen Listen wieder. Andere von ihnen kennen wahrscheinlich nicht viele Menschen. Das ist teilweise sogar berechtigt (Bowie hatte in seiner Jugend einige obskure Interessen verfolgt), es sind aber auch echte verborgene Schätze darunter. Die ganze Liste findet man hier.

Bowies Bücher Rezension
Der KiWi Verlag hat ein wunderbares Poster mit dem Buch mitgeschickt

Dieses Buch ist etwas für Bowie-Fans, das muss ich gleich am Anfang klarstellen. John O’Connell hat alle Bücher von der Liste gelesen und bespricht sie in diesem Buch eins nach dem anderen. Sein Fokus liegt dabei aber darauf, herauszufinden, wie das jeweilige Buch Bowie beeinflusst hat. Das ist für mich faszinierend, könnte aber für Nicht-Fans deutlich weniger interessant sein. Nach jedem kurzen Text wird zum besprochenen Buch passend ein Song von Bowie empfohlen und eine weiterführende Lektüre.

David Bowie hat schon sehr früh für sich entschieden, dass er ein berühmter Popstar wird. Er hat deshalb mit 16 der Schule den Rücken gekehrt. Das hieß aber nie, dass er seine eigene Weiterbildung aufgab. Bücher waren immer schon wichtig für ihn und begleiteten ihn ein Leben lang. Er soll in den 70ern mit einem riesigen Koffer voller Bücher herumgereist haben, und wenn man bedenkt, dass er das Fliegen möglichst vermied, war es nicht ohne, seine mobile Bibliothek mit tausendfünfhundert Büchern überallhin mitzubringen. Seine Interessen waren vielfältig. Eine Zeit lang hatte er ernsthaft vor, buddhistischer Mönch zu werden und der Buddhismus beschäftigte ihn auch später. Aber auch dem Okkulten war er ein Zeit lang nicht abgeneigt und der „Starman“ las auch gerne Science-Fiction. Es finden sich Bücher auf seiner Liste, die gefühlt von keiner Bücherliste fehlen dürfen, wie „1984“ von George Orwell, „Clockwork Orange“ von Anthony Burgess oder ein persönlicher Favorit von mir, „Der Meister und Margarita“ von Bulgakov. Bowies Liste enthält aber etliche praktisch unbekannte Bücher.

David Bowie reading
Reiste mit einer umfangreichen Bibliothek in Koffern: David Bowie, aufgenommen 1966
Quelle: Redferns

Die wahre Herausforderung von John O’Connell war es nicht, die einhundert Bücher zu lesen (obwohl das alleine schon keine kleine Leistung ist), sondern eine Verbindung zu Bowies Leben und Musik herzustellen. Teilweise ist diese Verbindung natürlich einfach erkennbar – was sonst soll ihn zum Song „1984“ inspiriert haben, als Orwells Roman? In den meisten Fällen ist der Zusammenhang aber subtiler und O’Connell kann auch nur spekulieren. Wenn man sich selbst mit Bowies Biographie befasst hat (zum Beispiel mit diesem Buch), kann man selber mitspekulieren und mit dem Autor einverstanden sein – oder auch mal nicht.

Es ist ein besonderes kleines Buch, das ich empfehlen würde, nicht an einem Stück zu lesen, sondern sich Zeit zu lassen. Auch wenn man nur einen kleinen Teil der Bücher von Bowies Liste gelesen hat, machen die einzelnen Essays Spaß und geben einen Einblick nicht nur in Bowies Leben und Kunst, sondern bringen einen auch auf eine literarische und musikalische Reise und geben Inspiration für zukünftige Lektüren. Besonders gut funktionieren aber dann doch die Essays, wo man auch das Buch kennt und selber eine Brücke zu Bowie schlagen kann.


Diverses

Vielen Dank an dieser Stelle an den KiWi Verlag für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

Bewertung: 4 von 5.

Der erste Satz:

Im Juli 1975 kam David Bowie spindeldürr und schwerst kokainabhängig nach New Mexico, um ‚Der Mann, der vom Himmel fiel‘ zu drehen.

Impressum:

Autor: John O’Connell
Titel: Bowies Bücher
Aus dem Englischen: Tino Hanekamp
Seitenzahl: 384
Verlag: KiWi-Taschenbuch
Erschienen: 2020
© Verlag Kiepenheur & Witsch

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