Ernő Rubik: Cubed

Ernő Rubik Cubed Rezension

Rubik ist ein Name, den heute praktisch jeder kennt. Und den Magic Cube oder wie ich ihn kenne, den „Zauberwürfel“ hat fast jeder schon mal in der Hand gehabt. Doch wie die Idee zum Würfel entstanden und aus einem Gedankenspiel ein echtes Spielzeug geworden ist, wissen nicht viele. Und da der Erfinder ungern im Rampenlicht steht, wissen wir generell nicht viel über diesen ungarischen Ausnahmetalent. Nun hat Ernő Rubik, der nach eigener Aussage nicht gern schreibt, sein erstes Buch verfasst und erzählt darin nicht nur die Geschichte seiner großen Erfindung, sondern gibt einen einmaligen Einblick in seine Denkweise.

Dass ihm das Schreiben nicht leicht fällt, beteuert er immer wieder in seinem Buch, und versucht einen Weg zu finden, es doch irgendwie zu meistern. Dabei stellt er fest, dass er sich nicht von seiner berühmtesten Erfindung lösen kann – und nimmt sie prompt quasi als Co-Autor und neben der eigenen Person als weitere Hauptfigur auf die Reise.

Also beschloss ich, das Schreiben so anzugehen, als handele es sich um ein Puzzle, und als Leitbild diente mir etwas, das ich am besten kenne: der Cube, den ich 1974 entdeckte. Als Objekt hat er vieles gemeinsam mit der Art des Schreibens, die mir am besten gefällt. Er ist einfach und komplex. Er vereint Bewegung und Stabilität. Es gibt das, was wir sehen, und darüber hinaus gibt es noch eine verborgene Struktur.

Seite 15

Bereits als Kind hat Ernő Rubik gerne mit Puzzles gespielt, aber damals dachte er nicht daran, selber welche zu entwickeln. Er mochte Rätsel, Geometrie, Kunst. Die perfekte Mischung für seinen späteren Lebensweg, doch zunächst studierte er Architektur und ging im Anschluss an die Hochschule für Angewandte Künste. Hier ist er dann als Lehrer auch geblieben und unterrichtete Architektur und Design. Als neugieriger Mensch befasste er sich immer wieder mit Ideen, die ihn beschäftigten, so kam irgendwann der Gedanke, sich einen Würfel vorzustellen, der aus kleineren Würfeln besteht, die sich bewegen lassen. Es war nicht mehr als ein Gedankenspiel. Bald erstellte Rubik ein Modell, um die Theorie in der Praxis anzuschauen. Und irgendwann bemalte er die einzelnen Seiten des Würfels, um die Bewegung der Teile besser nachverfolgen zu können.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass es mir bis dahin nie in den Sinn gekommen war, dass ich hier ein Puzzle kreierte. Meine Suche nach einer Lösung war reiner Selbstzweck.

Seite 84

Was danach folgt, ist etwas, was jeder kennt, der das erste Mal den Zauberwürfel in der Hand gehalten und einige Drehungen gemacht hat. Die Erkenntnis, dass man nicht mehr weiß, wie man den ursprünglichen Zustand des Würfels wieder herstellt. Wenn ich nur einen Moment aus diesem Buch hervorheben müsste, dann wäre es dieser. Als mir, dem Leser bewusst wurde, dass Ernő Rubik der erste war, der den Magic Cube lösen musste – und dass ohne jede Hilfe oder Anleitung. Heute gibt es Speedcuber, die den Würfel in unter 5 Sekunden (!) lösen können und auch Ernő Rubik ist inzwischen viel schneller geworden – aber beim ersten Mal hat er mehrere Wochen dafür gebraucht.

Mona Lisa Rubik'S Cube
Der Rubik Mona Lisa (2005) des französischen Straßenkünstlers Invader wurde bei einer Auktion für 480.000 Euro verkauft. Die Skulptur besteht aus 330 Zauberwürfeln.

Das neue Puzzlespiel entfachte einen großen Hype in den 80er Jahren, und ist bis heute ein Objekt, das nicht aufhört zu faszinieren. Was ist das Geheimnis des Cubes? Darauf gibt es viele Antworten, einige davon gibt sein Erfinder in diesem Buch. Und das macht dieses Buch zu mehr als nur die Nacherzählung der Entstehung des Würfels (obwohl auch das bereits sehr interessant ist). Es ist, als wäre dieses bunte Objekt lebendig. Es kann nicht nur immer wieder anders aussehen (es gibt über 43 Trillionen mögliche Stellungen, in denen sich der Cube befinden kann!), es kann auch Gefühle entfachen. Bei mir ist dieses Gefühl meistens die der Frustration, aber auch mal Freude, Überraschung, Begeisterung erlebe ich mit ihm. Wenn man ihn in die Hand nimmt, entsteht sofort eine Beziehung zu ihm, und diese ist, wie der Autor und Erfinder feststellt, meistens eine sehr persönliche.

Am Ende des Buches angelangt, fühlt man sich nicht nur dem Cube, sondern auch Ernő Rubik näher. Gar nicht mal so schlecht, für ein Erstlingswerk.


Diverses

Vielen Dank an dieser Stelle an den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

Bewertung: 4 von 5.

Der erste Satz:

Mein offizieller Name ist Rubik’s Cube.

Impressum:

Autor: Ernő Rubik
Titel: Cubed
Aus dem Englischen: Andreas Wirthensohn
Seitenzahl: 215
Verlag: C.H. Beck
Erschienen: 2020
© Verlag C.H. Beck oHG

Ein Kommentar zu „Ernő Rubik: Cubed

  1. Danke für die Vorstellung dieses ungewöhnlichen Buches. Klar, an dem Würfel bin auch ich oft gescheitert. Einmal war das so frustrierend, dass ich (als Kind) die kleinen Würfel rauslöste und einfach neu zusammensetzte.

    Über den Erfinder und den Entstehungsprozess hab ich mir aber nie sonderlich Gedanken gemacht. Ich finde es aber sympathisch, aus welcher Intention heraus der Würfel entstand und wie bescheiden und zurückgezogen sich Rubik gibt. 🙂

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