Dan Jones: Spiel der Könige

Dan Jones kennen viele am besten wahrscheinlich durch seine Fernsehsendungen, in denen er sich meistens mit der britischen Geschichte des Mittelalters befasst. In seiner schwarzen Lederjacke und den aus den Ärmeln hervorlugenden Tattoos sieht er nicht unbedingt so aus, wie man sich einen Historiker vorstellt, aber tatsächlich hat er in Cambridge Geschichte studiert und weiß, wovon er redet. In seinen Fernsehsendungen schafft er es, Geschichte lebendig zu machen. Ich war gespannt, ob ihm das auch im Rahmen eines Buches gelingt. Um jegliche Spannung vorwegzunehmen: ja, das gelingt ihm.

Die Plantagenets wurden von zeitgenössischen Chronisten oft mit dem Teufel verglichen: Könige mit enormer Macht, die aber auch unnatürlich grausam sein konnten.

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Thema von „Spiel der Könige“ sind die Plantagenets, die am längsten, über zwei Jahrhunderte lang (1154-1399) herrschende Königsdynastie in England. Als 1154 Heinrich II. zum König gekrönt wird, ist er der erste Herrscher, der sich König von England nennt. Es ist eine spannende Zeit, mit vielen inneren und äußeren Konflikten. Große Gebiete in Frankreich gilt es zu verteidigen, die jeweiligen Päpsten rufen immer wieder zur Teilnahme an den Kreuzzügen an (einer der berühmtesten Kreuzzügler ist ein Plantagenet: Richard Löwenherz). Die Engländer wollen aber diese Kriege immer weniger aus der eigenen Tasche bezahlen und sehen es auch ungern, wenn ein König viel zu viel Macht an seine engen Freunde vergibt – die Plantagenets sehen sich deshalb öfter mit Bürgerkriegen konfrontiert. Was ein König ist bzw. sein soll, genau das kristallisiert sich in dieser zeit heraus. Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Meilenstein auf diesem Weg ist die Entstehung der Magna Carta – Johann Ohneland (der Bruder Richards) ist derjenige, der sie wohl oder über akzeptieren muss.

„Spiel der Könige“ ist ein treffender Titel, denn vieles mutet hier wie ein Strategiespiel an: Kinder werden oft schon nach der Geburt verheiratet, um so an Gebiete, Geld, Verbündete und letztendlich einfach an mehr Macht zu kommen. Doch es ist ein blutiges, ernstes Spiel. Ein Fehltritt, und schon werden einstige Verbündete zu Feinden, viele von ihnen enden enthauptet und geviertelt und auf für das Mittelalter sonst noch übliche Arten geschändet. Glück haben engere Verwandte, die nur irgendwo eingesperrt oder des Landes verwiesen werden. Eine Lebensgarantie ist das aber auch nicht. Es ist aber auch ein Spiel, das immer mehr und immer bessere Regeln hat. Die Gesetzgebung bekommt in dieser Zeit ein neues Gesicht und die einfachen Menschen haben immer bessere Chancen auf eine faire Behandlung. Ein langer Prozess, der hier seine Wurzeln hat.

Dan Jones erzählt diese Geschichten mit der von ihm gewohnten Leidenschaft, zitiert Zeitzeugen und lässt uns an einer alten Geschichte teilnehmen, als wären wir mit dabei. Man muss sich nicht speziell für die Geschichte Großbritanniens interessieren, um an diesem Buch Freude zu haben. Wie wir wissen, ändert sich manches nie, und das gilt gerade in der Politik immer wieder. Macht hat bis heute eine enorme Anziehungskraft und führt bis heute dazu, dass sich Menschen verfeinden und gegnerische Seiten sich nicht zivilisiert unterhalten und einen gemeinsamen Weg finden können. Aus alten Geschichten kann man lernen, oder sie helfen zumindest dabei, unsere eigene Geschichte besser zu verstehen.


Diverses

Vielen Dank an dieser Stelle an den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

Bewertung: 5 von 5.

Der erste Satz:

Der Prinz war betrunken.

Impressum:

Autor: Dan Jones
Titel: Spiel der Könige
Aus dem Englischen: Heike Schlatterer
Seitenzahl: 686
Verlag: C.H. Beck
Erschienen: 2020
© Verlag C.H. Beck oHG

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