Anselm Oelze: Wallace

Wem verdanken wir die Evolutionstheorie? Die Antwort kennt jeder, Charles Darwin hat sich mit seiner Theorie in die Geschichtsbücher eingeschrieben. Oder war doch der heute kaum noch bekannte Alfred Russel Wallace der Schöpfer dieser Idee? Wurde er von Darwin hintergangen, dem er seine Gedanken in einem Brief mitteilte? Diesen Fragen geht Anselm Oelze in seinem Roman „Wallace“ nach.

Der Museumswächter Albrecht Bromberg stolpert eines Abends wortwörtlich über Wallace und will danach immer mehr über ihn erfahren. Wer war dieser Mann und was hat er mit der Evolutionstheorie zu tun? Tatsächlich war Wallace (1823-1913) Naturforscher, der zunächst in Südamerika auf Reisen war (hier kartografierte er die Rio Negro) und später den Malaiischen Archipel bereiste. Hier entdeckte er, dass entlang einer (heute nach ihm benannten) Linie eine zoologische Grenze befindet. Auf der einen Seite dieser unsichtbaren Grenze findet man Tiere, die man sonst aus Australien kennt und auf der anderen Seite ist die Fauna asiatischer Abstammung. In dieser Zeit entdeckte er auch den bis dahin unbekannten Flugfrosch, der ebenfalls nach ihm benannt wurde.

Wallace-Flugfrosch

Es war eine Zeit der Entdeckungen, in der viele sich auf den Weg machten, um unerforschte Gegenden zu kartografieren und mehr über Flora und Fauna dieser unbekannten Gebiete zu erfahren. Tiere und Pflanzen wurden gesammelt und auf Schiffen nach Europa verfrachtet (eine tragische Geschichte im Roman ist der Verlust von Wallace‘ Sammlung). Hier wurden sie in Museen ausgestellt und von Wissenschaftlern studiert. Es war nur eine Frage der Zeit, wer und wann die Schlussfolgerungen aus den Erkenntnissen ziehen würde, die wir heute unter dem Evolutionsprinzip zusammenfassen. Charles Darwin war 14 Jahre älter als Wallace und genoss den entsprechenden Vorsprung. Er zögerte jedoch mit der Veröffentlichung seiner Ideen. Doch spätestens als Wallace einen Aufsatz über die natürliche Selektion schrieb, wurde Darwin klar, dass auch jemand anders auf ähnliche Gedanken kam, wie er. Darwin und Wallace kannten sich flüchtig und standen im Briefwechsel und wir wissen heute, dass Wallace seine Theorie an Darwin geschickt hat, der kurz darauf seine eigene Theorie veröffentlichte. Darwin wurde berühmt, Wallace fast vergessen. Allerdings machte Darwin nie ein Geheimnis daraus, was und wann ihm Wallace geschrieben hat, was nicht den Eindruck erweckt, als hätte er den jüngeren Mann betrogen wollen.

Im Roman folgen wir auf der einen Erzählebene Wallace, zunächst in Brasilien, dann zurück in London und später auf Lombok. Im London der Gegenwart folgen wir dem Museumswärter Bromberg und erfahren immer mehr über Wallace. Bromberg will Gerechtigkeit für Wallace, doch wurde er von Darwin tatsächlich betrogen? Wer hatte diese Ideen als erster? Und macht es heute überhaupt noch einen Unterschied?

Tatsächlich habe ich von Wallace vor diesem Buch nichts gehört und dafür bin ich dem Autor sehr dankbar. Andererseits konnte er Bromberg viel mehr Leben einhauchen, bis zuletzt war ich viel mehr an seinem Schicksal interessiert und fand seine Entwicklung sehr spannend. Vielleicht lag es auch daran, dass das Schicksal von Wallace nicht mehr zu ändern ist. Trotzdem hätte ich mir mehr Abenteuer gewünscht, es war doch so eine aufregende Zeit, in der Wallace und Darwin lebten und davon bekommt man hier relativ wenig mit.


Diverses

Vielen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Der erste Satz:

Es war heller Mittag, als die Koningin der Nederlanden in die Bucht einlief.

Impressum:

Autor: Anselm Oelze
Titel: Wallace
Seitenzahl: 272
Verlag: btb
Erschienen: 2021
© 2019 Schöffling & Co. (Originalausgabe)

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