Luca Ventura: Bittersüße Zitronen

Luca Ventura Bittersüße Zitronen

Bittersüße Zitronen ist bereits der zweite Fall der Capri-Krimi Reihe um die Ermittler Enrico Rizzi und Antonia Cirillo. Obwohl ich das erste Buch nicht gelesen habe, fand ich den Einstieg einfach – es wird auch in diesem Teil für über die einzelnen Charaktere mitgeteilt, sodass man sie sich gut vorstellen kann. Es gibt zwar einige Bezüge auf Geschehnisse im ersten Buch, doch diese sind vom aktuellen Fall unabhängig und meines Erachtens nicht notwendig zum Verständnis.

Capri ist eine kleine Insel mit etwas mehr als 7000 Einwohnern, hier kennt jeder jeden. Familien sind eng verbunden, die meisten kennen sich von Geburt an. Dass hier ein Mord passieren und der Täter einer der Inselbewohner sein könnte, ist kaum vorstellbar. Da wir hier einen Krimi in der Hand halten, ist aber natürlich genau das, was passiert. Wobei es zunächst nach einem Unfall aussieht, als ein Fahrzeug mit großer Geschwindigkeit vom Weg abkommt, in die Tiefe stürzt und die Insassin stirbt. Doch bevor sie stirbt, sagt sie dem zufällig anwesenden Rizzi, dass es kein Unfall war. Was ist passiert? Als sich herausstellt, dass die Frau nicht ihr eigenes Fahrzeug fuhr, stellt sich auch die Frage, ob sie überhaupt die eigentliche Zielperson war.

Die Ermittlungen beginnen und bald stehen zwei Familien der Insel im Mittelpunkt: Eine ist mit der Herstellung von Limoncello reich geworden, die andere verkauft Zitronen an den Betrieb. Letztere sucht nach neuen Wegen, um das Geschäft erträglicher zu machen – hat eventuell das etwas mit dem Mord zu tun?

Die Suche nach den Antworten gestaltet sich nicht wirklich spannend, aber das fand ich passend zur Umgebung. Capri ist ein Ort der Entschleunigung, und ich habe richtig Sehnsucht bekommen, da hinzufahren. Was mich allerdings gestört hat, war die Zusammenarbeit zwischen den Ermittlern, beziehungsweise die völlige Abwesenheit jeglicher Zusammenarbeit. Vielleicht hat das seinen Ursprung im ersten Buch, ich habe jedenfalls nicht verstanden, warum beide mit jedem bereit sind zu sprechen, nur miteinander nicht. Nur um dann später überrascht davon zu sein, was der andere herausgefunden hat. Aber vielleicht es in dieser Reihe auch darum, wie die beiden sich immer besser aufeinander verlassen und irgendwann sind sie dann ein tolles Team? Könnte sein. Noch schwieriger zu verdauen fand ich, wie Cirillo an Beweismittel herankam und wie ihre Methode zum Tod einer Person führte – und dass all dies letztendlich nicht wirklich eine Rolle gespielt hat. Das hat meinen Lesespaß nun doch stark betrübt. Freude bereiten auf der anderen Seite die beiden Karten, die auf der Innenseite der Umschläge versteckt sind, diese haben mir sehr gut gefallen.

Insgesamt kann ich das Buch leider nur bedingt empfehlen. Ich habe keinen Actionthriller erwartet, also Tempo und Setting haben mir zugesagt, die Ermittlung, beziehungsweise die beiden Ermittler fand ich aber nicht besonders professionell. Da es sich bei den beiden um Polizisten handelte und nicht um Rentner, habe ich mich immer wieder nur geärgert, und das ist nicht das, was ich beim Lesen empfinden möchte.


Diverses

Vielen Dank an dieser Stelle an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.

Der erste Satz:

Normalerweise war um diese Zeit unten alles still, manchmal war noch Wasserrauschen zu hören, die Klospülung oder der Fernseher.

Impressum:

Autor: Luca Ventura
Titel: Bittersüße Zitronen
Seitenzahl: 320
Verlag: Diogenes
Erschienen: 2021
© Diogenes Verlag

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