Manuela Golz: Sturmvögel

Manuela Golz Sturmvögel

Emmy ist 86 und blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück. Geboren auf einer kleinen Nordseeinsel, hat es sie noch als junge Frau nach Berlin verschlagen. Ihr Leben umspannt zwei Weltkriege und wird von vielen Verlusten begleitet. Doch eins hat Emmy nie verloren – ihren Humor. Sie hat drei Kinder großgezogen, die ihr noch heute nahestehen, wenn ihre Beziehung auch nicht immer perfekt ist. Doch nun machen die zwei älteren in Emmys Keller eine Entdeckung: Ihre Mutter scheint doch nicht so arm zu sein, wie sie immer schien. Welches große Geheimnis hütet sie? Und wartet ein großes Erbe auf sie?

Die Geschichte von Emmy wird im Roman in Rückblicken erzählen, wir sind parallel im Jahre 1994/95, in der Gegenwart des Romans, und sehen auf parallelen Zeitebenen Emmy als Kind, als junge Erwachsene, als ältere Frau mit ihren Kindern. Die Kindheit auf der Insel ist nicht einfach, der Ausbruch des Ersten Weltkriegs macht sie noch schwieriger. Denn gerade als sie endlich in die Schule gehen darf, ist es mit dem Lernen gleich auch schon vorbei. Als Dienstmädchen bei einer reichen Familie im Berlin der 20er und 30er Jahre scheint es hier noch am prächtigsten zu gehen. Doch auch der Zweite Weltkrieg bringt wieder Leid in Emmys Leben.

Wir sehen kleine Ausschnitte eines langen Lebens, doch viele Jahre werden dabei übersprungen, sodass wir Emmys Entwicklung nicht wirklich verfolgen können. Zumindest hat sich für mich nie wirklich erklärt, wie aus dem Mädchen von der Insel eine junge Frau geworden ist, die ohne weiteres ihren Herren widerspricht und sich heimisch im riesigen Berlin bewegt. Oder wie das Mädchen, dass ganz kurz die Schule besuchen konnte, letztendlich eine Frau geworden ist, die im Alter ihre Zeit mit Kreuzworträtseln vertreibt. Oder warum die Frau, deren Leben immer wieder von Frauen erschwert wurde, daran glaubt, dass Frauen keinen Krieg führen würden.

Ich garantiere Ihnen: Wenn Mütter, Ehefrauen und Schwestern entscheiden dürften, würde es keine Kriege geben.

Seite 251

Ja, ich bin mit diesem Buch nicht wirklich warm geworden. So sehr ich Emmys Humor mochte, so wenig habe ich über die anderen Personen erfahren. Sie blieben klischeehafte, zweidimensionale Figuren, deren Schicksal und Motivation mich nicht wirklich interessiert hat. Auch das große Geheimnis erwies sich für mich als weder spannend, noch besonders geheimnisvoll. Worüber ich gerne mehr gelesen hätte, war das Leben auf der kleinen Insel, den Teil fand ich zu kurz geraten.

„Sturmvögel“ von Manuela Golz ist eine leichte Lektüre, und viele werden das Schicksal einer Frau über Jahrzehnte hinweg sicherlich interessant finden, daher kann ich es für zwischendurch oder für ein Wochenende, als Urlaubsbegleiter gerne empfehlen.


Diverses

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar.

Der erste Satz:

Sie war unendlich dankbar für ihr Leben.

Impressum:

Autor: Manuela Golz
Titel: Sturmvögel
Seitenzahl: 336
Verlag: Dumont
Erschienen: 2021
© Dumont Verlag

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