Andy Weir: Der Astronaut

Andy Weir Der Astronaut

Ein Mann wacht auf und weiß nicht mehr, wo er ist, wie er heißt, er hat keine Erinnerung mehr an nichts. Er befindet sich an einem komischen Ort, wo Maschinen sich um ihn kümmern und ihn immer wieder nach seinem Namen fragen. Nach und nach kann er sich an immer mehr Details aus seiner Vergangenheit erinnern, die seine aktuelle Lage beleuchten: Er ist in einem Raumschiff, unterwegs, um die Erde zu retten. Die anderen beiden Mitglieder seiner Crew sind tot, die ganze Hoffnung der Menschheit liegt also in seinen Händen. Die meisten würden unter so einer Last zusammenbrechen, aber Ryland Grace (und nicht John, wie er zunächst vermutet) ist Wissenschaftler, der es gewohnt ist, vor schwierigen Aufgaben zu stehen und diese Schritt für Schritt zu lösen. Doch was ihn auf dieser Reise erwartet, damit konnte niemand rechnen.

„Wie heißen Sie?“

Ich bin weiß, männlich und spreche Englisch. Also lassen wir es mal darauf ankommen. „J-John?“

Seite 14

Andy Weir besticht auch in diesem Roman mit viel Humor und plausibel erscheinenden wissenschaftlichen Erklärungen für alles. Das ist hier Science-Fiction vom Feinsten. Anders als „Artemis“ konnte mich dieses Buch wirklich überzeugen und sehe es in einer Liga mit „Der Marsianer“. Wobei ich auch hinzufügen muss, dass es auch etliche Ähnlichkeiten zwischen den zwei Büchern gibt: Wir haben einen Mann, der alleine eine ausweglose Situation lösen muss und er tut es, in dem er sich auf seine Kenntnisse auf unterschiedlichen Gebieten verlässt und seinen Humor bewahrt. Das Setting ist aber deutlich anders und während Mark Watney „nur“ überleben wollte, ist das Überleben von Ryland Grace nicht geplant (er ist auf einer Selbstmordmission), er kämpft um das Überleben der Menschheit. Und mit einer ganz besonderen Wendung, die ich hier nicht verraten möchte, hebt Weir die ganze Geschichte auf eine weitere Ebene und macht sie zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Also bin ich ein Mann Mitte dreißig, der allein in einem kleinen Apartment lebt, ich habe keine Kinder, aber ich mag Kinder sehr. Mir gefällt nicht, wohin das führt…

Lehrer! Jetzt erinnere ich mich!

Gott sei Dank. Ich bin Lehrer.

Seite 45

Obwohl es insgesamt eine ruhige Geschichte ist mit wenigen unerwarteten Wendungen, bleibt sie doch die ganze Zeit interessant. Die Rückblicke, in denen sich Ryland an immer mehr erinnert, erzählen, wie er im Raumschiff gelandet ist, was mindestens so unglaublich ist, wie alles, was danach passiert. Wir sehen, wie die Menschen erfahren, dass der Sonne eine Gefahr droht, die die Erde in eine Eiszeit stürzen wird, und das in kürzester Zeit. Und anders, als man es kennt, aber so, wie man es hofft, kommt es zu einer globalen Zusammenarbeit. Falls Andy Weir eine Message mit diesem Buch hatte, dann ist es diese, dass wir – so fremd wir uns sonst auch sind – angesichts großer Gefahren zusammenarbeiten sollten. Und es ist ja nicht so, als wäre unsere Erde auch jetzt nicht in Gefahr, wenn auch nicht so, wie im Roman. Es besteht guter Grund, zusammenzuhalten und gemeinsam Lösungen zu finden.

Auch wenn das so klingen mag, ist das hier kein didaktischer Roman, sondern wunderbare Unterhaltung, die auch weitere Gedanken zulässt und fördert. Mehr kann man sich gar nicht wünschen.


Diverses

Vielen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Der erste Satz:

Was ist zwei plus zwei?

Impressum:

Autor: Andy Weir
Titel: Der Astronaut
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Jürgen Langowski
Seitenzahl: 560
Verlag: Heyne
Erschienen: 2021
© Wilhelm Heyne Verlag

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.