Kim Stanley Robinson: Das Ministerium für die Zukunft

Eines der wichtigsten Bücher des Jahres – sagt Barack Obama über den neusten Roman von Kim Stanley Robinson. Und obwohl ich das Thema des Buches auch für sehr wichtig halte, hatte ich doch große Probleme beim Lesen. Es ist ein Roman über den Klimawandel und den Kampf dagegen. Kann unsere Erde noch gerettet werden und wenn ja, wie? Fragen, die wir schnellstens beantworten müssen, für uns und für die kommenden Generationen. Doch kann man mit so einer Fragestellung einen Roman schreiben, der nicht nur informiert, sondern auch unterhält? Kim Stanley Robinson kann zumindest das nicht überzeugend beweisen.

Im Jahre 20225 gründen die Vereinten Nation in Zürich das Ministerium für die Zukunft. Als Ministerin will die Irin Mary Murphy alles tun, um die Welt zu retten. Aber wie soll sie das mit begrenzten Mitteln schaffen und einer Ablehnung gerade durch denen, die das meiste ausrichten könnten? Mit diesen Fragen quält sie sich, als sie eines Abends eine schicksalhafte Begegnung mit Frank May hat. Dieser war kurz zuvor in Indien als Helfer unterwegs und überlebte als einziger eine Hitzewelle. Seitdem weiß er, dass man mit konventionellen Mitteln nicht schnell genug zu einer Lösung kommen wird.

Aus dieser Begegnung könnte mit den beiden Hauptfiguren eine spannende Geschichte entstehen, doch stattdessen zählt Robinson immer wieder Fakten auf und wechselt die Perspektiven die namenlosen Figuren, um in Zeitsprüngen zu Mary und Frank zurückzukehren. Und so entsteht ein sehr sachliches Buch, das es einfach ncht schafft, den Leser mitzureißen. Was in gewissen Weise ironisch ist, da Mary und ihr Ministerium es auch nicht schaffen, mit ihren Daten und Fakten zu überzeugen.

Das Büro war wie eine Kommandozentrale, und die Arbeit fühlte sich an, als würden sie einen Krieg führen, in dem sie unterlegen und in der Defensive waren. Nur dass es keinen Feind gab, oder wenn doch, dann waren es Mitmenschen mit viel Geld und wenig Fantasie.

Seite 302

Dabei sind die Ideen und Lösungsvorschläge, die Kim Stanley Robinson anbringt, durchaus interessant und lesenswert. Wie realistisch das Ganze ist, kann ich nicht beurteilen, doch es klingt sehr glaubhaft, wenn davon die Rede ist, dass man in diesem Kampf nicht gewinnen kann, wenn man vom legalen Weg hin und wieder nicht abweicht. Das Ministerium, und vor allem die Ministerin will ihre Hände zwar nicht schmutzig machen (zuminest nicht wissentlich), doch die von ihnen unabhängig agierenden internationalen Aktivisten scheuen vor nichts zurück. Und Anzeichen für solche Bewegungen sehen wir bereits heute, die Frage ist, wie weit sie noch gehen werden, um die Augen für die Probleme zu öffnen und die Lösungen – wenn es denn nicht anders geht – zu erzwingen.

Ja, es ist ein wichtiges Buch, dem ich trotz meiner Kritik viele Leser wünsche. Denn es bringt zum Nachdenken, und es kann wichtige Unterhaltungen entstehen lassen. Doch was ich mir/uns wünsche ist dann doch ein Buch, das wirklich mitreißt und nicht nur Gedanken und Gespräche, sondern auch Taten entstehen lässt.


Diverses

Vielen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Der erste Satz:

Es wurde heißer.

Impressum:

Autor: Kim Stanley Robinson
Titel: Das Ministerium für die Zukunft
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Paul Bär
Seitenzahl: 720
Verlag: Heyne
Erschienen: 2021
© Wilhelm Heyne Verlag

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.