Monica Kristensen: Amundsens letzte Reise

Er war der berühmteste Entdecker Norwegens, der als erster am Südpol war, als erster die Nordwestpassage und als erster die Nordostpassage durchfuhr. Und der als erster mit einem Luftschiff über dem Nordpol war. Roald Amundsen verschwand am 18. Juni 1928, und bis heute wissen wir nicht, was damals mit ihm passiert ist, warum er nach so vielen an Wunder grenzenden überlebten Expeditionen diesmal mit seinem Leben für seine Kühnheit bezahlen musste.

Zu dieser Zeit lag seine letzte Expedition (mit dem Luftschiff Norge) bereits zwei Jahre zurück. Der Konflikt mit dem italienischen Kapitän der Norge, Umberto Nobile, war jedoch noch nicht abgeklungen. Amundsen hielt Nobile für ungeeignet, Polarexpeditionen zu leiten, und er hielt sich mit seiner Meinung auch öffentlich nicht zurück. Nobile ergriff nun die Möglichkeit, mit dem Schwesterschiff der Norge, der Italia, nun in eigener Regie den Nordpol zu erreichen, was ihm auch gelang. Auf dem Rückflug vom Nordpol stürzte die Italia jedoch ab, die Mannschaft galt als verschollen.

Das Luftschiff Norge

Obwohl kein Norweger als Mitglied der italienischen Expedition unterwegs war, leiteten die Norweger sofort eine Suchaktion ein, zu dem sie natürlich auch gleich den höchsten Expterten der Polarregion einluden:

Er war von höchster Stelle gebeten worden, in den Norden zu fahren, um einen Mann zu retten, von dem alle wussten, dass er sein Feind war – eine äußerst edle Aufgabe.

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Als wäre die Situation so noch nicht pikant genug, kommt es bald auch zu weiteren interessanten Wendungen. Die italienische Regierung zögert nämlich, sich an der Rettungsaktion zu beteiligen (sie sind überzeugt, dass die Mannschaft der Italia tot ist), und die bescheidenen Mittel der norwegischen Regierung erlauben es nicht, die Aktion in dem Ausmaß duchzuführen, der es ermöglichen würde, Amundsen mit einem Flugboot daran beteiligen zu lassen. Die deutlich kleinere Aktion wird in die Hände des erfahrenen Piloten, Hjalmar Riiser-Larsen gegeben, Amundsen muss von der Seitenlinie zusehen, wie er übergangen wird.

Letztendlich, nach etlichen Schwierigkeiten, kommt er doch an ein Flugboot, und macht sich auf den Weg, Nobile zu finden und zu retten. Was an diesem Punkt genau passiert, ist bis heute unklar. Er fliegt mit dem französischen Flugzeug, der Latham 47 Richtung Bäreninsel, es gibt noch diverse Funksprüche von der Latham, Amundsen und die Mannschaft des Flugzeug werden aber nie wieder gesehen. Es wurden Spuren des Flugzeugs gefunden, die darauf hindeuten, dass die Mannschaft in Schwierigkeiten geraten ist und versucht hat, sich zu retten, aber weder Flugzeug, noch Mannschaft wurden je gefunden.

Latham 47 – mit diesem Flugzeug ist Amundsen auf seine letzte Reise gegangen, und nie zurückgekehrt. (Anders Beer Wilse/Norsk Folkemuseum NF.WB 48692)

Monica Kristensen, die selbst erfahrene Polarforscherin ist, erzählt in diesem Sachbuch sehr detailliert die Umstände, die zum Verschwinden Amundsens geführt haben, und erzählt auch die packende Geschichte der Italia-Expedition. Es ist ein spannendes Buch, das am Ende auch noch mit einer interessanten und glaubwürdigen Theorie aufwartet, die ein neues Licht auf Amundsens Schicksal wirft. Dass Monica Kristensen auch Kriminalromane schreibt, lässt sich am Schreibstil merken – was hier auf jeden Fall positiv gemeint ist. Sie bleibt sachlich und spart nicht mit technischen Details, sorgt aber auch dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Eine klare Leseempfehlung!


Diverses

An dieser Stelle möchte ich mich beim Bloggerportal ganz herzlich für das Rezensionsexemplar bedanken.

Der erste Satz:

Das Zimmer lag still im Halbdunkel, trotz des grellen, klaren Tageslichts draußen vor den Fenstern.

Impressum:


Autor: Monica Kristensen
Titel: Amundsens letzte Reise
Übersetzung aus dem Norwegischen: Christel Hildebrandt
Seitenzahl: 444
Verlag: btb
Erschienen: 2019
© der deutschsprachigen Ausgabe: btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH

3 Kommentare zu „Monica Kristensen: Amundsens letzte Reise

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