Richard Morgan: Altered Carbon

Rezension Altered Carbon

Ein Buch, das ich schon lange lesen wollte. Ich versuche nämlich immer zuerst as Buch zu lesen und dann erst den Film, oder in diesem Fall die Serie anzuschauen. Als Netflix 2018 Altered Carbon mit dem wunderbaren Joel Kinnaman herausbrachte, hieß es für mich erst mal abwarten, bis endlich das Buch gelesen ist. Dieses ist bereits 2002 unter dem Titel Das Unsterblichkeitsprogramm erschienen, in der Neuausgabe, die ich in der Hand halte, trägt es jedoch den englischen Originaltitel, mit dem alten deutschen Titel als Untertitel. Nun aber habe ich ein Problem: das Buch hat mir nicht besonders gut gefallen.

Keine Frage, Richard Morgan hat hier beeindruckende Science-Fiction geschaffen, mit einer Welt, die mit vielen kleinen Details überzeugt. Nur hat er seine fantastische Grundidee mit den Elementen eines Thrillers vermischt, und damit ist er bei mir jedenfalls an der falschen Adresse. Verfolgungsjagden, brutale Kampfszenen, jede Menge Waffen und Drogen machen dieses Buch zwar spannend. Auf mich hat das alles aber leider auch eine stark abtörnende Wirkung. Ich habe immer wieder Seiten überblättert, was mir sonst selten passiert.

Trotzdem muss ich hier auch über die Stärken des Romans sprechen, und diese liegen wie bereits erwähnt in der von Morgan erschaffenen einzigartigen Zukunftsvision. Wir sind im 26. Jahrhundert, unser Held, Takeshi Kovacs ist nicht auf der Erde, sondern auf einem Planeten „Harlans Welt“ geboren. Er ist ein Soldat, der zunächst dem Marine Corps, und später dem Envoy Corps angehörte. Im 26. Jahrhundert gibt es den Tod, so wie wir ihn kennen, nicht mehr. Der menschliche Körper wird als „Sleeve“ bezeichnet, und stirbt dieser Körper, wird das Bewusstsein in einen anderen (echten oder synthetischen) Körper heruntergeladen. Eine übliche Strafe für Verurteilte ist, für längere Zeit eingelagert zu werden, das heißt nach dem Tod des Körpers nicht in einen neuen heruntergeladen zu werden.

Das passiert auch Takeshi Kovacs, als er aus seiner Einlagerung nun wieder in einen Körper heruntergeladen wird, stellt er zu seiner Überraschung fest, dass sein neuer Körper sich auf der Erde befindet. Er wurde von einem reichen Mann, Laurens Bancroft, herbeordert, um in einem Mordfall zu ermitteln – und zwar geht es dabei um die Ermordung von Bancroft selbst. Dieser ist dabei natülich auch nicht wirklich gestorben, umso überraschender ist es, dass er allem Anschein nach Selbstmord begangen haben soll. Warum hätte er das tun sollen, wenn er doch wusste, dass er wenige Stunden später in seinen eigenen geklonten Körper heruntergeladen wird?

Es ist keine Welt, in der ich gerne leben würde, auch wenn das Versprechen einer Art von Unsterblichkeit verlockend klingt. Körper werden zu lediglichen Hüllen abgewertet, die Mordkommission der Polizei nennt man hier die Abteilung für „Organische Defekte“. Menschen mit wenig Geld haben es auch hier nicht einfach, sie haben meistens nicht die Mittel, den eigenen Körper zu klonen, so müssen sie für die „Wiederaufstehung“ auf die Körper anderer Menschen ausweichen. Diese gehören Verurteilten, die wegen ihrer Einlagerung gerade keinen Anspruch auf den eigenen Körper haben. Oder eben auf synthetische Körper, die eher nur Nachteile haben.

Es ist keine Frage, dass Richard Morgan diese Cyberpunk-Phantasie bis zum kleinsten Detail durchdacht und für sich skizziert hat. Genauso wie des ganze Vorleben von Takeshi Kovacs, aus dem er immer wieder Szenen heraufbeschwört. Das ist einerseits beeindruckend, andererseits manchmal auch verwirrend. Viele Namen, tote und lebendige (und eingelagerte) Personen schwirren in der Geschichte herum, da hatte ich teilweise Probleme, diese einzuordnen. Eine Sympathie für Kovacs konnte ich auch nicht so recht entwickeln, wahrscheinlich eben weil mir seine Vorgeschichte nicht ganz klar war und ich somit seine teilweise von Emotionen und Erinnerungen bestimmten Entscheidungen nicht immer nachvollziehen konnte.

Insgesamt bietet Altered Carbon ein faszinierendes Gedankenspiel, und für Thriller- und Science-Fiction-Liebhaber ist es wahrscheinlich das perfekte Buch (beziehungsweise sogar Buchreihe!). Wer wie ich eher ein Fan von Hard Science-Fiction ist, sollte doch vielleicht lieber was anderes lesen (oder halt manche Seiten überspringen).


Diverses

Der erste Satz:

Zwei Stunden vor Sonnenaufgang saß ich in der Küche zwischen abblätternden Wänden und rauchte eine Sarahs Zigaretten, während ich auf den Mahlstrom lauschte und wartete.

Impressum:

Autor: Richard Morgan
Titel: Altered Carbon. Das Unsterblichkeitsprogramm
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Bernhard Kempen
Seitenzahl: 608
Verlag: Heyne
Erschienen: (aktuelle Ausgabe) 2017
© Wilhelm Heyne Verlag

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