Mikael Niemi: Wie man einen Bären kocht

Mikael Niemi Wie man einen Bären kocht

1852, Nordschweden. In diesem Teil des Landes sprechen nicht viele Einwohner Schwedisch, dafür aber Finnisch und Samisch. Hier wird der samische Junge Jussi, der seinem schrecklichen Elternhaus (bzw. -jurte) entflohen ist, von einem Pfarrer aufgenommen. Es ist der Propst Lars Levi Laestadius, der ein Prediger der protestantischen Erweckungsbewegung war. Jussi lernt nicht nur lesen und schreiben mit seiner Hilfe, der Propst führt ihn auch in die Wissenschaft der Botanik ein.

Das klingt nach einem positiven Ausgang für Jussi, aber das Leben ist auf der Seite von Laestadius nicht einfach, denn der Propst predigt gegen den Alkoholkonsum. Er kann zwar einige in seiner Dorfgemeinde dafür begeistern, aber für diejenigen, die sich am Alkoholismus des gemeinen Volkes bereichern, ist er ein Dorn im Auge.

Eines Tages verschwindet eine junge Frau. Der Propst wird gerufen und bald findet er Anzeichen dafür, dass ein Bär das Mädchen angegriffen haben konnte. Doch Laestadius ist ein echter CSI und stellt wenig später fest, dass es doch ein Mensch gewesen sein muss, der dem Mädchen was angetan hat. Als dann die Leiche der Frau gefunden wird, kann er jedoch weder die Dorfbewohner, noch für die Ermittlungen zuständigen Landjäger davon überzeugen, dass der Täter nicht ein Bär gewesen ist. Ein Bär wird schnell gestellt und umgebracht, doch bald wird eine weitere junge Frau angegriffen.

Wer ist der Täter? Und was hat Jussi mit der Geschichte zu tun, der nach der schönen Maria schmachtet?

Was sich bis jetzt wie eine spannende Mördergeschichte anhört, ist eigentlich sehr viel mehr. Denn Laestadius hat es tatsächlich gegeben und die Geschichte der Erweckungsbewegung wird von Niemi sehr gekonnt in den Roman mit eingeflochten. Während der Leser langsam überall, wie der fortschrittliche Propst, nach einer Lösung für die sich häufenden Mordfälle sucht, lernt er auch immer mehr über eine außerhalb Schwedens wohl weniger bekannte Persönlichkeit und diesen besonderen Abschnitt der Geschichte.

Lars Levi Laestadius
Lars Levi Laestadius mit seiner im Roman öfter erwähnten großen Nase

Neben Laestadius ist auch Jussi eine sehr plastisch dargestellte, interessante Figur in diesem Buch, der durch seine Person auch zu einem Entwicklungsroman wird. Der Junge, der kaum ein Wort sprechen wagt, ist der Erzähler der Geschichte. Er erwacht immer mehr zu einem Bewusstsein. Man leidet mit ihm, man freut sich mit ihm… und man wird währenddessen das Gefühl nicht los, dass man einem Mörder zuhört. Oder ist er unschuldig?

Wie gesagt, das ist keine einfache Krimigeschichte, wer das Buch also nur wegen dem Whodunnit lesen möchte, dem kann ich es nur bedingt empfehlen. Wer aber offen dafür ist, oder sogar interessiert daran, mehr über die Geschichte Schwedens, über Laestadius und die Erweckungsbewegung zu erfahren, der sollte zugreifen. Der Krimi ist aber auch sehr spannend, nicht dass mich hier jemand missversteht.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich werde sicherlich noch weitere Werke des Autors lesen.


Diverses

Herzlichen Dank an dieser Stelle an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Meine Bewertung:

⭐⭐⭐⭐

Der erste Satz:

Ich erwache in einer alles umfassenden Stille.

Impressum:

Autor: Mikael Niemi
Titel: Wie man einen Bären kocht
Übersetzung aus dem Schwedischen: Christel Hildebrandt
Seitenzahl: 512
Verlag: btb
Erschienen: 2020
© btb Verlag

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.