E.T.A. Hoffmann: Der goldene Topf

Zum 200. Todestag E.T.A. Hoffmanns ist seine Novelle, Der goldene Topf, in neuem Gewand erschienen. Illustriert wurde diese Ausgabe von Alexander Pavlenko, der sich für diese Arbeit von der Scherenschnitttechnik inspirieren ließ. Der Scherenschnitt (auch Schwarzbild genannt) war im 19. Jahrhundert sehr verbreitet und passt daher perfekt zur Novelle. Das großartige Zusammenspiel zwischen Illustration und Text haucht dem Buch neues Leben ein – ein guter Grund, diese besondere Geschichte wieder einmal zu lesen.

Dabei fiel mir persönlich diese Entscheidung, Hoffmanns Novelle nach vielen Jahren wieder in die Hand zu nehmen, überhaupt nicht leicht. Der goldene Topf ist nämlich ein Buch, das ich nie gemocht habe. Ich habe es vor vielen Jahren in der Schule gelesen, und bis heute ist mir das als unangenehmes Erlebnis in Erinnerung geblieben. Als ich nun aber diese neue Ausgabe gesehen habe, war ich dann doch geneigt, Hoffmann eine neue Chance zu geben – und wie gut, dass ich es getan habe!

Erzählt wird die Geschichte des jungen Studenten Anselmus, der eines Tages, als er auf seine stürmische Art und Weise über den Markt läuft, über den Apfelkorb einer alten Frau stolpert. Die Frau ist wütend und verflucht ihn. Später legt sich Anselmus unter einen Holunderbusch und hört plötzlich Stimmen. Er sieht im Busch drei kleine Schlangen und verliebt sich in eine von ihnen. Kurze Zeit später bekommt er eine Stelle beim Archivarius Lindhorst, in dessen Haus er weitere sonderbare Erlebnisse hat. Er erfährt, dass Lindhorst der Vater von Serpentina (der kleinen Schlange) und eigentlich ein Salamander ist. Immer wieder wird er aus dieser Fantasiewelt in die Wirklichkeit zurückgebracht, und versucht sich an der rationalen Welt festzuhalten. Beide Welten bieten ihm Vorteile, doch er muss sich für eine von ihnen entscheiden. Wählt er eine bürgerliche Laufbahn oder gibt er sich der fantastischen Welt der Poesie hin?

Es braucht etwas Zeit, bis einem der tollpatschige Anselmus ans Herz wächst (in meinem Fall waren es Jahrzehnte), doch wenn es passiert, kann man nicht anders, als ihm die Daumen für die richtige Entscheidung zu drücken. Diesmal hat mich Der goldene Topf nicht nur nicht abgestoßen, ich fand die Geschichte ausgesprochen spannend, bezaubernd und teilweise sehr lustig. Eine klare Leseempfehlung!


Diverses

Der erste Satz:

Am Himmelfahrtstage, nachmittags um drei Uhr, rannte ein junger Mensch in Dresden durchs Schwarze Tor und geradezu in einen Korb mit Äpfeln und Kuchen hinein, die ein altes Weib feilbot, so dass alles, was der Quetschung glücklich entgangen, hinausgeschleudert wurde und die Straßenjungen sich lustig in die Beute teilten, die ihnen der hastige Herr zugeworfen.

Impressum:

Autor: E.T.A. Hoffmann
Titel: Der goldene Topf
Seitenzahl: 168
Verlag: Edition Faust
Erschienen: 2022
© Edition Faust

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